Arbeitsmarktanalysen

Die große Unbekannte des Recruitings: Wie ticken Jobsuchende?


Wir decken auf: Wie und wann wird nach Jobs gesucht? Woher kommen die Jobsuchenden? Was suchen sie? Und welche neuen Trends gibt es auf dem Arbeitsmarkt?

Auch wenn sich die schwächelnde Konjunktur mittlerweile auf dem Arbeitsmarkt abzeichnet, bleibt die Arbeitslosenquote weiterhin gering und die Zahl der Erwerbstätigen steigt weiter an. Für bestimmte Regionen und Berufe gibt es einen Engpass an qualifizierten Fachkräften. Selbst wenn der Arbeitsmarkt in den nächsten Monaten an Kraft verlieren sollte, wird der demografische Wandel mit dem näher rückenden Rentenalter der Babyboomer-Generation den deutschen Arbeitsmarkt in den kommenden Jahren vor die nächste Herausforderung stellen. Unternehmen werden also weiterhin um die besten Kandidat*innen konkurrieren.

Umso wichtiger ist es, dass Unternehmen verstehen, wie Jobsuchende ticken. Indeed-Daten liefern hierfür eine einmalige Datenbasis. Jeden Monat nutzen 6,5 Millionen Jobinteressent*innen de.indeed.com für ihre Jobsuche (Unique Visitors laut comScore, Stand Januar 2019). Unsere Analyse des Jobsuchverhaltens von April 2018 bis März 2019 greift daher auf eine riesige Datenbasis von vielen Millionen individuellen Jobsuchen zurück. 

Mit unseren Analysen nehmen wir die große Unbekannte namens Jobsuchende unter die Lupe und fragen “Wie und Wann? Woher? Was? Und mit welchen neuen Trends?” Die wichtigsten Ergebnisse in Kürze:

  • Die Jobsuche findet Anfang der Woche und während der Arbeitszeit statt – je nach Tageszeit und Beschäftigung über den PC und Laptop oder Mobilgeräte wie Handy und Tablet. 
  • Die EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit und demnächst das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz ermöglichen Jobsuchenden den Blick über den Tellerrand ins Ausland. Indeed-Analysen zeigen: Dies wird unterschiedlich stark genutzt.
  • Keine Jobsuche gleicht der anderen, aber wir können Muster erkennen, die verdeutlichen: Was gesucht wird, hängt davon ab, wer gerade nach einem Job sucht.
  • Durch die kontinuierliche Beobachtung von Jobsuchverhalten können wir neue Trends auf dem Arbeitsmarkt aufdecken. 

Jobsuche während der Arbeitszeit

Vorangegangene Indeed-Analysen haben gezeigt, dass Anfang der Woche Jobsuche-Zeit ist: Nach einem entspannten Wochenende geht es montags zurück zu einem Job, mit dem man nicht so zufrieden ist. Das zeigt sich dann auch beim Jobsuchverhalten: Über ein Drittel (34,3 %) aller Jobsuchen in Deutschland finden montags und dienstags statt.

Das Handy und andere Mobilgeräte sind immer zur Hand, auch für die Jobsuche: Morgens nach dem Aufwachen, beim Frühstück und auf dem Weg zur Arbeit, genauso wie in der Mittagspause und nach Feierabend auf dem Nachhauseweg und bei der Freizeitgestaltung. 64,6 % aller Suchanfragen auf de.indeed.com von Januar bis März 2019 kamen von einem Handy oder Tablet.

Besonders spannend ist der Blick auf den Tagesverlauf, denn hier wird deutlich: Die Jobsuche findet während der Arbeitszeit statt. Dabei ist deutlich zu sehen, dass morgens auf dem Weg zur Arbeit das Handy genutzt wird. Es wird vom Laptop oder PC abgelöst, sobald der Schreibtisch im Büro erreicht ist. Am Wochenende ist die Entwicklung ähnlich – allerdings nicht so stark ausgeprägt wie unter der Woche. Es wird aber deutlich: Auch am Wochenende sitzen Jobinteressent*innen vor dem PC oder Laptop und suchen nach einem neuen Job auf Indeed. 

Ab 22 Uhr neigt sich der Tag dem Ende zu. Das zeigt sich auch bei der Jobsuche, da sie bis frühmorgens erst einmal abfällt. Schlaflose Nächte mag der eine oder die andere auch mit der Suche nach einem neuen Job verbringen. Denkbar ist allerdings auch, dass es sich bei den Suchen, die zwischen 0 Uhr und 4 Uhr morgens getätigt werden, um Personen im Schichtbetrieb handelt – und gerade am Wochenende um Personen, die zu Hause auf der Couch sitzen oder gelangweilt in der Schlange vorm Club stehen. 

Zwischen den Berufen gibt es deutliche Unterschiede, wie häufig die Jobsuche über Smartphone und Tablet oder doch eher über PC und Laptop stattfindet. Wir haben als Beispiele einmal angehende Auszubildende, Softwareentwickler*innen, Altenpfleger*innen, Erzieher*innen und Metallbauer*innen ausgewählt. Dadurch können wir einerseits die Nutzung von Mobilgeräten für die Jobsuche von Erwerbstätigen mit unterschiedlich hohem Schreibtischanteil im Berufsalltag analysieren und andererseits mögliche Unterschiede zwischen den Generationen untersuchen.

Softwareentwickler*innen nutzen nur zu 42,1 % Mobilgeräte für die Jobsuche. Der Laptop ist ihr wichtigstes Arbeitsmittel und dementsprechend wird dieser auch für die Jobsuche genutzt. Nach Feierabend ist die Jobsuche über Mobilgeräte allerdings überdurchschnittlich hoch.

Demgegenüber finden bei Erzieher*innen drei viertel aller Jobsuchen auf dem Mobilgerät statt (74,8 %). Die gute Nachricht für Eltern ist, dass Erzieher*innen während der Arbeitszeit das Handy unterdurchschnittlich nutzen und stattdessen ihre Aufmerksamkeit den Kindern widmen. Das holen sie dann in der Mittagspause und nach Feierabend nach.

Altenpfleger*innen nutzen mit 74 % ähnlich häufig Mobilgeräte für die Jobsuche wie Erzieher*innen. Auch Metallbauer*innen suchen mit 67,4 % überdurchschnittlich häufig mobil. Im Tagesverlauf ist deutlich zu erkennen, dass durch den frühen Arbeitsstart neben der Mittagspause noch eine Frühstückspause dazu kommt. Metallbauer*innen, die bekanntlich nicht vor einem PC oder Laptop sitzen, suchen während der Arbeitszeit weniger nach Jobs, was dann aber während der Frühstückspause und der Mittagspause fleißig nachgeholt wird. Nach Feierabend wird auch weiterhin kräftig mobil nach Jobs gesucht.

Anders verhält es sich bei der Suche nach Ausbildungsplätzen. Ein Teil der Generation Z – die Digital Natives – ist mittlerweile auf der Suche nach einer Ausbildung. Das Handy wird von klein auf genutzt und deshalb lag die Erwartung nahe, dass wir hier den höchsten Anteil an mobilen Suchen vorfinden. Aber weit gefehlt, der Anteil der Suchen über Mobilgeräte liegt mit 62 % sogar etwas unter dem Durchschnitt. Drei mögliche Erklärungen hierfür sind: 1. Digital Natives nutzen das Handy eher für Konsum, Kommunikation und Unterhaltung als für Bildung, Information und Recherche. 2. Darüber hinaus handelt es sich um junge Leute, die bei ihren Eltern Rat suchen oder auch von ihren Eltern aufgefordert werden, etwas für ihre Zukunft zu tun und sich an den PC zu setzen. 3. Die Eltern selbst suchen für ihre Sprösslinge nach Jobs – und zwar über den Desktop, da sie selbst auf der Arbeit sind und dort vor dem PC oder Laptop sitzen. 

Internationale Jobsuche

Wenn wir Jobsuchende besser verstehen wollen, ist eine zentrale Frage, woher die Jobinteressent*innen eigentlich kommen. Gerade mit Blick auf den derzeit bereits für bestimmte Berufe und Regionen vorherrschenden Engpass an Fachkräften, aber auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels werden internationale Fachkräfte als Arbeitsressource für den Arbeitsmarkt regelmäßig diskutiert. Gerade erst wurde das Fachkräfteeinwanderungsgesetz verabschiedet. Zusammen mit der EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit soll es Jobinteressent*innen aus dem Ausland die Jobsuche in Deutschland erleichtern. Eine vorangegangene Indeed-Analyse hat gezeigt, dass in Deutschland durchschnittlich 5,3 % aller Suchen auf de.indeed.com aus dem Ausland kommen. Besonders attraktiv ist der deutsche Arbeitsmarkt für Jobsuchende aus den deutschsprachigen Ländern Österreich und Schweiz. Einen branchenspezifischen Fokus haben wir dabei in vergangenen Indeed-Analyse auch schon eingenommen: Zum Beispiel als wir uns mit Pflegefachkräften beschäftigt haben und aufzeigen konnten, dass erst 4,4 % (2017) aller Suchanfragen nach Pflegejobs in Deutschland aus dem Ausland kommen.

Was wird gesucht? 

Keine Jobsuche gleicht der anderen, aber wir können Muster erkennen, die verdeutlichen: Was gesucht wird, hängt davon ab, wer gerade nach einem Job sucht. Wir haben uns genau angeschaut, welche Jobsuchenden was in das “Was”-Feld bei der Suche eingeben. Der Indeed-Ausbildungsreport 2018 hat gezeigt, dass Auszubildende oftmals noch unentschieden bei ihrer Berufswahl sind. Das verdeutlicht auch die Suche nach Jobs auf Indeed: 31 % aller Suchen nach Ausbildungsplätzen oder einem Dualen Studium sind sehr allgemein gehalten, ohne eine fachliche Spezifikation

Softwareentwickler*innen sind demgegenüber viel konkreter bei ihrer Jobsuche. Eine Indeed-Analyse hat gezeigt, dass sie bereits bei der Jobsuche “programmieren”: in dem sie Begriffe ausschließen, sie miteinander kombinieren und häufig nach den Programmiersprachen, Tools und Frameworks suchen, mit denen sie im Alltag arbeiten. Daraus haben wir ein Ranking der beliebtesten Programmiersprachen bei Jobsuchenden erstellt. 

Fazit: Jobsuchverhalten und neue Trends auf dem Arbeitsmarkt

Unsere Analysen haben verdeutlicht, dass es nicht die eine typische Jobsuche gibt. Die Jobsuche ist ein sehr individueller Prozess: Individuelle Kenntnisse und Fähigkeiten, individuelle Präferenzen, aber vor allem der aktuelle Job und seine Kontextbedingungen führen zu einem individuellen Verhalten. Aus diesem individuellen Verhalten von Millionen von Menschen lassen sich Muster ablesen, die auf neue Trends auf dem Arbeitsmarkt hinweisen. 

Aktuelle Arbeitsmarkttrends, die wir in Indeed-Analysen untersucht haben, sind zum Beispiel die Themen Blockchain, Cyber-Security, Elektromobilität, Quereinsteiger*innen oder die beschriebene Nutzung von Mobilgeräten für die Jobsuche. Von großer Bedeutung ist dabei, dass das Jobsuchverhalten nicht isoliert betrachtet wird, sondern vor dem Hintergrund aktueller gesamtwirtschaftlicher Trends interpretiert wird: langfristiger Entwicklungen wie dem demografischen Wandel oder tiefgreifender technischer Entwicklungen wie der Automatisierung und der Digitalisierung. 

Methodische Hinweise

In unseren Analysen haben wir das Suchverhalten von Jobsuchenden für die Zeit von April 2018 bis Ende März 2019 analysiert. Damit das Suchverhalten in unsere Analysen eingeht, mussten sich die Jobsuchenden zum Zeitpunkt ihrer Suche in Deutschland aufhalten. Dabei war es irrelevant, ob sie in Deutschland oder im Ausland nach einem Job gesucht haben. Wir haben die Suchanfragen auf Stundenbasis aggregiert. Für die Interpretation bedeutet das: Eine Suchanfrage, die um 11:55 Uhr getätigt wird, zählt zu 11 Uhr und wird in den Abbildungen entsprechend abgetragen.

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