Coronavirus

Wie stark ist der IT-Arbeitsmarkt durch die Corona-Krise betroffen?


Der IT-Arbeitsmarkt bleibt von der Corona-Krise nicht verschont.

IT-Spezialist*innen sind gefragte Fachkräfte. Vor der Corona-Krise ist kaum ein Bericht zum Fachkräftemangel ohne diese Erkenntnis ausgekommen. Doch welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf den IT-Arbeitsmarkt? Um diese Frage zu beantworten, nutzen wir einerseits die Arbeitslosenzahlen der Bundesagentur für Arbeit und andererseits Indeed-Daten zu Stellenausschreibungen und Jobsuchverhalten.

IT-Fachkräfte arbeiten in vielen verschiedenen Branchen. Manche dieser Branchen sind stärker von der Corona-Krise betroffen als andere. Das führt dazu, dass auch der IT-Arbeitsmarkt nicht von der Corona-Krise verschont bleibt. Indeed-Daten zeigen, dass Unternehmen derzeit gut daran tun, die heiß umkämpften IT-Fachkräfte zu rekrutieren, da in einigen Bereichen IT-Spezialist*innen vermehrt nach Jobs suchen. Gleichzeitig ist aufgrund der Corona-Krise die Zahl der Stellenausschreibungen auch im IT-Bereich zurückgegangen. Auf Unternehmensseite bedeutet dies derzeit etwas weniger Konkurrenz. Aus Sicht der jobsuchenden IT-Fachkräfte ist allerdings keine Panik angebracht. Die Arbeitslosenzahlen im IT-Bereich sind zwar stark angestiegen, absolut gesehen allerdings immer noch auf einem niedrigen Niveau – und es gibt eine Vielzahl von IT-Jobs. Gerade jetzt schadet es nicht zu schauen, welche Unternehmen trotzt Corona-Schock in die Zukunft investieren und IT-Fachleute suchen.

IT-Arbeitslosenzahlen sind überdurchschnittlich angestiegen

Deutschlandweit hat die Zahl der Arbeitslosen im Mai 2020 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 25,8 % zugenommen. Bisher wenig Beachtung geschenkt wurde dem starken Anstieg der Arbeitslosenzahlen bei den IT-Berufen (offizielle Bezeichnung in der Klassifikation der Berufe ist „Informatik und andere ITK-Berufe“). Im Vergleich zum Vorjahresmonat hat im Mai 2020 die Zahl der Arbeitslosen im IT-Bereich um 32,8 % zugenommen. Die Bundesagentur für Arbeit untergliedert Arbeitslose in die Guppen “Helfer”, “Fachkraft”, “Spezialist” sowie “Experte”. Ein detaillierter Blick in die Statistik verdeutlicht, dass die Arbeitslosenzahlen im IT-Bereich insbesondere unter Expert*innen zugenommen haben. 

Es gibt natürlich Berufe, in denen die Arbeitslosenzahlen im Mai 2020 noch stärker gestiegen sind – zum Beispiel bei Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen um 52,7 %. Nichtsdestotrotz ist der Anstieg der Arbeitslosenzahlen im IT-Bereich überdurchschnittlich. Das ist ein Indikator dafür, wie stark die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Arbeitsmarkt tatsächlich sind.

IT-Arbeitsmarkt: Rückgang bei Stellenausschreibungen überdurchschnittlich

Indeed-Analysen in den vergangenen Wochen haben gezeigt, dass die verschiedenen Berufe sehr unterschiedlich von der Corona-Krise betroffen sind. Die Entwicklung der Stellenausschreibungen in der IT ist aktuell leicht überdurchschnittlich zurückgegangen – verglichen mit der gesamten Entwicklung der Stellenausschreibungen in Deutschland. Stellenausschreibungen für Jobs im IT-Support oder der IT-Infrastruktur sind weniger stark zurückgegangen als Jobs für Softwareentwicklung. Jobs im Bereich Data Analytics und Informationsmanagement, wozu z. B. Data Scientists oder Business Analysten gehören, sind noch etwas stärker rückläufig. 

Damit zeigt sich, dass auch der IT-Arbeitsmarkt nicht verschont bleibt. Die Eindämmungsmaßnahmen haben das Recruiting in den Unternehmen vor Herausforderungen gestellt. Nicht nur die Recruiter selbst mussten sich in der neuen Situation (und ggf. im Homeoffice) zurechtfinden. Auch mussten Unternehmensstrategien zur Personalentwicklung überdacht werden und das Recruiting an die neue Situation angepasst werden – Stichwort Online-Bewerbungsgespräche. All diese Gründe zusammengenommen werden sicherlich zum Rückgang der Stellenausschreibungen im IT-Bereich beigetragen haben. Darüber hinaus arbeiten IT-Fachleute in vielen Branchen – und einige davon sind besonders hart durch die Corona-Krise getroffen worden. Einige Unternehmen haben Kurzarbeit angemeldet oder mussten Mitarbeiter*innen entlassen. Das wirkt sich dann auch auf neue Stellenausschreibungen im IT-Bereich aus, die erst einmal reduziert oder gestoppt werden.

In einigen Bereichen suchen IT-Fachkräfte vermehrt nach Jobs

Wie reagieren IT-Fachkräfte auf die aktuelle Corona-Situation? Um einerseits den Corona-Effekt zu untersuchen und andererseits auch langfristige Trends zu beobachten, vergleichen wir aktuelle Suchanfragen mit der Zeit vor der Corona-Krise sowie mit dem Vorjahreszeitraum.

Eine Analyse der Suchanfragen auf Indeed zeigt: In einigen IT-Bereichen wird aktuell vermehrt nach neuen Jobs gesucht. Auf Data Analytics bezogene Suchanfragen nach “Data Scientist”, “Data Analyst” oder “Python” folgen aktuell einem langfristigen Trend des zunehmenden Interesses bei Jobsuchenden. Schon seit der Zeit vor der Corona-Krise nimmt der Anteil dieser Stichworte an allen Suchanfragen zu. Auch das Thema “E-Commerce” gewinnt an Attraktivität, wie die Suchen zeigen. “Machine Learning”, das im Kontext von Automatisierung und künstlicher Intelligenz zum Einsatz kommt, hat im Vergleich zum Vorjahr etwas weniger Interesse bei Jobsuchenden geweckt, aber jetzt während der Corona-Krise ist der Anteil an allen Suchanfragen gestiegen.

Demgegenüber nehmen Suchen nach „Informatik“ und „Systemadministration“ ab. Nur ein Teil des Rückgangs fällt in die Zeit der Corona-Krise. Eine mögliche Erklärung ist, dass Fachkräfte in diesen beiden Bereichen bei der Unterstützung des Homeoffices so ausgelastet gewesen sind, dass nicht viel Zeit für die Jobsuche geblieben ist. Denn aus vorangegangenen Indeed-Analysen wissen wir: Es wird hauptsächlich während der Arbeitszeit nach neuen Jobs gesucht. 

Unterschiedlich sieht die Entwicklung der Suchanfragen im Bereich der Softwareentwicklung aus. Die Suchen nach „Softwareentwickler“ sind nicht nur im Vergleich zum Vorjahreszeitraum angestiegen, sondern auch seit Beginn der Corona-Krise. Hier scheinen vermehrt IT-Spezialist*innen den Arbeitsmarkt zu sondieren. Während nach den Programmiersprachen #C und Java häufiger gesucht wird, wird seltener nach PHP gesucht. Ob es sich hierbei um Corona-Effekte handelt oder einen allgemeinen Trend bei der Beliebtheit von Programmiersprachen, muss sich noch zeigen. 

IT-Fachkräfte sind Unsicherheiten nicht gewöhnt. Bereits während der Ausbildung oder während des Studiums wird ihnen vermittelt, wie gefragt sie sind. Die aktuelle Corona-Ausnahmesituation wird zum Nachdenken anregen. Gerade in stark von der Krise getroffenen Branchen kann deutlicher werden, dass der Arbeitsplatz nicht so sicher ist wie gedacht. Das bedeutet zwar nicht, dass es für diese Gruppe der Fachkräfte nicht genügend andere Jobangebote gibt. Aber es bedeutet, dass IT-Fachkräfte, die sich vorher in Sicherheit gewogen haben, doch beginnen, den Markt zu sondieren. 

Die Corona-Krise wird den Fachkräftemangel in der IT nicht lösen

Die Corona-Krise wird die große Nachfrage nach IT-Fachkräften nicht lösen. Auch wenn einige Unternehmen aktuell bei den Einstellungen im IT-Bereich zurückhaltender sind als vor der Corona-Krise, ist es unwahrscheinlich, dass IT-Fachkräfte nach der Krise seltener gebraucht werden. Denn uns allen wird gerade bewusst, wie wichtig die Digitalisierung ist. Und welche Fachkräfte werden hierfür benötigt? Richtig, IT-Spezialist*innen. 

Methodik

Für diese Analyse untersuchen wir Suchanfragen aus dem IT-Bereich auf Indeed als Anteil aller Suchanfragen vom 1.-19. Juni 2020. Wir vergleichen die Veränderung der Suchanfragen sowohl gegenüber der Zeit vor der Corona-Krise (1.-19. Februar 2020) als auch die Veränderung gegenüber dem Vorjahreseitraum (1.-19. Juni 2019). Den Schwankungen im Suchverhalten trugen wir Rechnung, indem wir den gleitenden Durchschnitt (7 Tage) des Anteils an allen Suchen für die einzelnen Suchbegriffe berechnen. 

Darüber hinaus vergleichen wir die Entwicklungen der Online-Stellenanzeigen auf Indeed diesen Jahres seit Anfang Februar mit den Entwicklungen des letzten Jahres im gleichen Zeitraum. Für jeden Tag wird ein gleitender Durchschnitt über 7 Tage berechnet. Dabei dient der 1. Februar als Basiswert (1. Februar = 100).

Wir haben den 1. Februar als Basiswert definiert, da zu dieser Zeit das Coronavirus in Deutschland mit wenigen Ausnahmen noch nicht angekommen war. Erst in der Woche vom 24. Februar wurden zwei Fälle in Heinsberg bekannt, sodass wir die Entwicklungen vor der Coronavirus-Pandemie mit den Entwicklungen während der Coronavirus-Pandemie vergleichen können.

Informationen, die auf öffentlich zugänglichen Daten der Indeed-Deutschland-Website (und ggf. anderen genannten Ländern) basieren, sind keine Vorhersagen zukünftiger Ereignisse und umfassen sowohl bezahlte als auch unbezahlte Stellenausschreibungen.

Zurück zum Anfang

Abonnieren Sie den Indeed Hiring Lab Newsletter für Deutschland

Bleiben Sie auf dem neuesten Stand