Close
Abonnieren Sie den Indeed Hiring Lab Newsletter für Deutschland

Bleiben Sie auf dem neuesten Stand

Coronavirus

Die zweite Homeoffice-Welle


Verschärfte Corona-Maßnahmen verändern erneut das Jobsuchverhalten.

Die wichtigsten Ergebnisse in Kürze:

  • Die zweite Homeoffice-Welle ist da: Der Anteil von Suchanfragen nach “Homeoffice” ist seit Anfang August um 42 Prozent angestiegen. 
  • Gute Nachrichten für Jobsuchende: Das Angebot von Arbeitgebern für Jobs mit Homeoffice-Option nimmt kontinuierlich zu.
  • Der Wunsch, während der Coronavirus-Pandemie von zu Hause zu arbeiten, zeigt sich auch in anderen Ländern – wenn auch unterschiedlich stark ausgeprägt.

Die Coronavirus-Pandemie verschärft sich. Nach einigen Wochen einer Entwicklung Richtung Normalität ist der zweite „Lockdown“ in Deutschland gestartet. In unseren Indeed-Arbeitsmarktanalysen zeigen wir regelmäßig den Einfluss der Corona-Krise auf den Arbeitsmarkt. Während der aktuellen Verschärfung der Situation in Deutschland nutzen wir Millionen von Suchanfragen auf Indeed, um mit Echtzeitdaten die unmittelbaren Auswirkungen aufzuzeigen. Während der ersten Welle hat sich ein reges Interesse bei Jobsuchenden nach Homeoffice-Jobs gezeigt. Aktuell gibt es eine zweite Welle bei den Suchanfragen nach dem Begriff “Homeoffice”. Da trifft es sich gut, dass der Anteil von Stellenausschreibungen mit Homeoffice-Option kontinuierlich ansteigt. Jobinteressent:innen in Deutschland sind nicht die einzigen, die während der Pandemie von zu Hause arbeiten möchten, wie ein Blick über den Tellerrand zeigt.

Die zweite Welle der “Homeoffice”-Suchanfragen

Nicht jeden Job kann man aus dem Homeoffice erledigen. Nicht jeder Arbeitgeber ermöglicht das Arbeiten von zu Hause. Und auch nicht alle Beschäftigten möchten aus dem Homeoffice arbeiten. Allerdings zeigt eine aktuelle Studie des CesIfo-Forschungsnetzwerks, dass in Deutschland theoretisch 56 Prozent aller Jobs komplett oder teilweise aus dem Homeoffice zu erledigen wären.

Seit Beginn der Corona-Krise hat die Diskussion um das Arbeiten von zu Hause stark zugenommen – und das spiegelt sich auch im Suchverhalten von Jobinteressent:innen auf Indeed wieder. Mit Beginn der Corona-Pandemie im März 2020 in Deutschland stieg der Anteil der Suchen nach Homeoffice-Jobs rasant an und erreichte Ende März seinen bisherigen Höchstwert von 1,3 Prozent aller Suchanfragen auf Indeed. Mit der Lockerung der Maßnahmen und dem Absinken der Covid-19-Fallzahlen sind auch die Suchanfragen nach Homeoffice-Jobs gesunken. 

Kaum gehen jedoch die Covid-19-Fallzahlen im Sommer nach oben, steigt auch wieder das Interesse von Jobsuchenden an Homeoffice-Jobs. Seit Anfang August bis Ende Oktober hat der Anteil der Suchanfragen um 42 Prozent zugenommen und liegt mit 1,1 Prozent aller Suchanfragen nicht mehr weit entfernt vom Höchstwert Ende März. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass die zweite Homeoffice-Welle begonnen hat. 

Häufig wird nur nach dem Begriff “Homeoffice” oder ähnlichen Begriffen gesucht. Damit ist anzunehmen, dass vor allem Menschen nach Homeoffice-Jobs suchen, für die nicht die Art des Jobs, sondern der Ort des Jobs, nämlich das Homeoffice, entscheidend ist. Vermutlich handelt es sich um Menschen, die bereits im Frühling schlechte Erfahrungen mit ihrem Job gemacht haben oder aktuell nicht im Homeoffice arbeiten können oder dürfen. So oder so scheinen sie negative Auswirkungen durch die Verschärfung der Pandemie zu befürchten.

Ein europäischer Vergleich

Ein Blick auf die internationalen Suchanfragen nach Homeoffice verdeutlicht, dass der Fokus der Jobsuchenden nicht in allen Ländern gleich ist. Bereits vor der Corona-Krise zeigten sich eindeutige Länderunterschiede. Sie geben uns Hinweise auf die jeweilige Praxis und Kultur von Homeoffice-Jobs. Mit der ersten Covid-19-Welle haben die Suchen nach Homeoffice in allen betrachteten Ländern zugenommen. Mit der zweiten Welle sind die Auswirkungen auf das Suchverhalten weniger einheitlich. Der Anteil der Suchanfragen nach Homeoffice-Jobs beläuft sich in Irland auf 1,4 Prozent. Deutschland rangiert mit 1,1 Prozent noch vor Großbritannien mit 1,0 Prozent. In Spanien (0,7 Prozent) und Frankreich (0,2 Prozent) fällt der Anteil an Suchen nach Homeoffice-Jobs um einiges geringer aus.

Mögliche Gründe für die internationalen Unterschiede liegen sicherlich auch in den unterschiedlichen Zeitpunkten sowohl der Pandemie als auch der Eindämmungsmaßnahmen in den Ländern und teilweise sogar in den Regionen. Kulturelle Unterschiede dürfen allerdings auch nicht außer Acht gelassen werden. So ist etwa in Frankreich das Arbeiten von zu Hause nicht weitverbreitet. Selbst durch die Pandemie hat dort kein Umdenken stattgefunden, sodass Jobsuchende das bei der Suche bereits einkalkulieren und sich keine Hoffnung machen, einen Job mit Homeoffice-Option zu finden.

Gute Nachrichten für Jobsuchende: Mehr Stellenausschreibungen mit Homeoffice-Option

Die erste Welle der Coronavirus-Pandemie im Frühling hat in Deutschland einen großen Homeoffice-Schub verursacht. Eine im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) erstellte Studie zeigt, dass 45 Prozent der im Juli und August im Homeoffice arbeitenden Beschäftigten dies vor der Coronavirus-Pandemie noch nicht taten.

Aber wie sieht es bei der Jobsuche aus? Auf welches Angebot treffen die Jobinteressierten aktuell? Im Oktober 2020 finden Jobsuchende in 5,8 % der Stellenausschreibungen einen Hinweis auf Homeoffice-Optionen. Schon vor der Corona-Krise stieg dieser Anteil kontinuierlich an – und diese Tendenz setzt sich fort. Im Oktober 2019 lag der Anteil von Stellenausschreibungen mit Homeoffice-Option noch bei 3,6 %; zum Jahresbeginn 2020 waren es knapp 4 Prozent. Arbeitgebern ist in den letzten Jahren wohl nicht entgangen, dass sie mit Homeoffice-Angeboten Fachkräfte anlocken können. Auch kann zum weiteren Anstieg beigetragen haben, dass Arbeitgeber, die eine Stellenanzeige direkt auf Indeed posten, seit diesem Frühling die Option “Homeoffice” als Markierungsmöglichkeit angezeigt bekommen. Im Juli und August 2020 haben laut BMAS-Studie 36 Prozent der Beschäftigten zumindest teilweise im Homeoffice gearbeitet. Damit wird klar, dass längst nicht alle Arbeitgeber das Homeoffice als attraktives Angebot verstanden und es in ihre Stellenausschreibung aufgenommen haben. Möglicherweise wird das Homeoffice teilweise auch nur als temporäre Lösung angesehen und hat deshalb keinen Einzug in die Stellenausschreibungen gefunden. 

Noch ist es sicherlich zu früh, um zu bewerten, ob die Coronavirus-Pandemie ein langfristiges Umdenken bei Arbeitgebern gefördert hat: Die wichtigste Nachricht für Jobsuchende im aktuellen zweiten Lockdown ist auf jeden Fall, dass sie auf ein steigendes Angebot an Stellenausschreibungen mit Homeoffice-Option treffen. Das sollte ein Grund zur Freude sein. Dennoch lohnt es sich sicher, auf jeden Fall im Bewerbungsgespräch nachzufragen, welche Homeoffice-Optionen ein Unternehmen bietet – aktuell in der Coronavirus-Pandemie, aber vielleicht auch schon mit dem Blick auf die Zeit danach.

Methodik

Für die Analyse nutzen wir alle Suchanfragen und Stellenausschreibungen der Jobseite Indeed für 2019 sowie für das Jahr 2020 bis zu den aktuell verfügbarsten Daten. Eine Suchanfrage nach “Homeoffice” beinhaltet diesen Suchbegriff in seinen verschiedenen Schreibweisen oder auch ähnliche Begriffe wie “remote” oder “Heimarbeit”. Als “Homeoffice”-Job bezeichnen wir solche Stellenausschreibungen, in denen auf Homeoffice und andere Möglichkeiten der mobilen Arbeit hingewiesen wird.