Coronavirus

Coronakrise: Arbeitsmärkte in Deutschland, Österreich und der Schweiz


Diese Woche schauen wir auf Daten bis zum 08. Mai 2020.

Der Indeed-Job-Index wird regelmäßig aktualisiert, um die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf den deutschen Arbeitsmarkt topaktuell zu betrachten.

Die Coronavirus-Pandemie hat einen erheblichen Einfluss auf den deutschen, österreichischen und schweizer Arbeitsmarkt. Anträge auf Kurzarbeit haben in allen drei Ländern stark zugenommen und auch die Arbeitslosenquoten zeigen deutliche Corona-Effekte. Ich nutze Indeed-Daten bis zum 08. Mai 2020 um die Auswirkungen der Coronakrise auf die Arbeitskräftenachfrage in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu untersuchen. Es zeigt sich, dass Österreich im Vergleich zu Deutschland und der Schweiz den größten Rückgang bei Stellenausschreibungen im Vorjahresvergleich zeigt. Ein Grund dafür dürfte sein, dass in Österreich der Anteil der Stellenausschreibungen in stark von den Eindämmungsmaßnahmen direkt betroffenen Wirtschaftsbereichen vor der Coronakrise höher lag. 

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Coronakrise hat in Österreich (-48 %) wesentlich stärkere Auswirkungen auf die Entwicklung der Stellenausschreibungen im Vorjahresvergleich als in Deutschland (-24 %) oder der Schweiz (-21 %).
  • Stark von der Coronakrise betroffene Wirtschaftsbereiche, wie Stellenausschreibungen für Berufe der Gastronomie und Speisenzubereitung, spielen in Österreich eine wichtigere Rolle als in Deutschland oder der Schweiz.  

Indeed-Job-Index: Starker Rückgang in Österreich

Die Entwicklung der Stellenausschreibungen als Echtzeit-Maß für die Auswirkungen der Coronakrise auf den Arbeitsmarkt liegt zum 08. Mai im Vorjahresvergleich in Deutschland bei -24 %, in Österreich bei -48 % und in der Schweiz bei -21 %. In allen drei Ländern zeigt sich ein Mitte März einsetzender Rückgang der Stellenausschreibungen, der sich nach einer knapp 2-wöchigen Schockstarre verlangsamt hat. 

Darüber hinaus muss bei der Interpretation der Zahlen auch beachtet werden, dass der tatsächliche Corona-Effekt auch von der Entwicklung der Stellenausschreibungen vor der Coronakrise abhängig ist. In Österreich hat sich die Zahl der Stellenausschreibungen in 2020 insgesamt langsamer entwickelt als noch im Vorjahr. Deshalb dürfte der tatsächliche Corona-Effekt eher durch die Entwicklung der Stellenausschreibungen seit Anfang Februar 2020 deutlich werden und diese lag in Österreich bei -29 % (siehe Tabelle unten).

Corona-Effekt durch Bedeutung der Wirtschaftsbereich für Arbeitsmarkt beeinflusst

Warum fallen die Auswirkungen der Coronakrise in den verschiedenen Ländern so unterschiedlich aus? Der österreichische Arbeitsmarkt ist stärker als der deutsche oder schweizer Arbeitsmarkt betroffen. In Österreich war der Arbeitsmarkt vor der Coronakrise insbesondere durch Stellenausschreibungen geprägt, die später stark von den Eindämmungsmaßnahmen betroffen sein sollten. Gleichzeitig lag der Anteil von Stellenausschreibungen in Wirtschaftsbereichen, die sich robuster gegenüber der Coronakrise zeigen, geringer, als in Deutschland oder der Schweiz. 

Anfang Februar, vor der Coronakrise, waren knapp 12 % aller Stellenausschreibungen in Österreich dem Bereich der Gastronomie und Speisenzubereitung zuzuordnen. In Deutschland und der Schweiz waren es dahingegen nur 3 %. Weniger betroffen sind dahingegen Berufe in Büro und Verwaltung. Vor der Coronakrise lag der Anteil aller Stellenausschreibungen in diesem Bereich in Deutschland bei 5 %, in der Schweiz und in Österreich bei 3 %. Besonders geringe Corona-Effekte zeigen sich bei Stellenausschreibungen für Berufe der Gesundheits- und Krankenpflege. Vor der Coronakrise lag ihr Anteil an allen Stellenausschreibungen in Deutschland bei 5 %, in der Schweiz bei 4 % und in Österreich bei 2 %. 

In Österreich sind die Zahlen zu Stellenausschreibungen für Berufe in der Gesundheits- und Krankenpflege auffällig. Die prozentuale Veränderung seit Anfang Februar liegt bei -5 %, während der Vergleich mit der Entwicklung aus dem Vorjahr bei -42 % liegt. Dieser große Unterschied liegt an der insgesamt schwächeren Zunahme der Stellenausschreibungen im Jahr 2020 in Österreich. Der tatsächliche Corona-Effekt dürfte durch die prozentuale Veränderung seit Anfang Februar besser dargestellt werden, auch wenn saisonale Schwankungen nicht herausgerechnet werden können.

Weitere Erklärungsfaktoren dürften u.a. sein, dass Länder zu unterschiedlichen Zeitpunkten unterschiedliche Maßnahmen ergriffen haben. Auch die Lockerungen seit kurzem fallen sehr unterschiedlich aus. Eine Indeed-Analyse hat darüber hinaus einen Zusammenhang beobachtet, der zeigt, dass je höher der Anteil der Beschäftigten ist, die in Jobs mit theoretischem Homeoffice-Potenzial arbeiten, desto niedriger fällt der Rückgang bei den Stellenausschreibungen aus.

Methodische Hinweise

Um die aktuellen Covid-19-Entwicklungen auf den Arbeitsmarkt zu untersuchen, vergleichen wir die Entwicklungen der Online-Stellenanzeigen auf Indeed diesen Jahres seit Anfang Februar mit den Entwicklungen des letzten Jahres im gleichen Zeitraum. Für jeden Tag wird ein gleitender Durchschnitt über 7 Tage berechnet. Dabei dient der 01. Februar als Basiswert (01. Februar = 100). An einigen Stellen sprechen wir von der “%-Veränderung 2020 vs. 2019”. Hierfür berechnen wir die prozentuale Veränderung der Stellenzuwachsrate seit dem 01. Februar im Vergleich zum gleichen Datum des Vorjahres. Die %-Veränderung seit dem 01.02.2020 bezieht sich auf den Stellenzuwachs bis zum aktuell verfügbarsten Datum.

Wir haben den 01. Februar als Basiswert definiert, da zu dieser Zeit das Coronavirus in Deutschland mit wenigen Ausnahmen noch nicht angekommen war. Erst in der Woche vom 24. Februar wurden zwei Fälle in Heinsberg bekannt, sodass wir die Entwicklungen vor der Coronavirus-Pandemie mit den Entwicklungen während der Coronavirus-Pandemie vergleichen können. Neue Stellenausschreibungen definieren wir als solche Stellen, die seit 7 Tagen oder kürzer auf Indeed auffindbar sind.

Informationen, die auf öffentlich zugänglichen Daten der Indeed Deutschland Website (und ggf. anderen genannten Ländern) basieren, sind keine Vorhersagen zukünftiger Ereignisse und umfassen sowohl bezahlte als auch unbezahlte Stellenausschreibungen.

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