Coronavirus

Corona-Ausbildungsjahrgang: Was ist dieses Jahr anders?


Schwierigkeiten bei der Ausbildungssuche, aber auch neue Chancen bei einigen Ausbildungsberufen.

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Die Suchanfragen nach Ausbildungsplätzen lagen Anfang April 2020 bei -21 %. Der Corona-Schock scheint allerdings überwunden – sie sind aktuell nahezu wieder auf dem Vor-Corona-Niveau.
  • Die Stellenausschreibungen für Ausbildungsplätze sind mit -6 % zur Vorjahresentwicklung weniger stark zurückgegangen als die Stellenausschreibungen insgesamt (-25 %).
  • Knapp die Hälfte aller aktuellen Stellenausschreibungen für Ausbildungsberufe werden durch die 6 Ausbildungsberufe “Kaufleute für Einzelhandel”, “Verkäufer*innen”, “Pflegefachfrauen/-männer”, “Abiturientenprogramm Einzelhandel und Handelsfachwirt*innen”, “Fachkräfte Lagerlogistik”, “Fachinformatiker*innen” sowie die Gruppe der dualen Studiengänge geprägt.
  • In den direkt von den Eindämmungsmaßnahmen betroffenen Wirtschaftsbereichen könnte es dieses Ausbildungsjahr schwieriger sein, einen Ausbildungsplatz zu finden: Stellenausschreibungen für Ausbildungsplätze für Hotelkaufleute (-44 %) sowie Köch*innen (-35 %) zeigen sich im Vergleich zur Vorjahresentwicklung besonders schwach. Eine bessere Entwicklung zeigt sich für Augenoptiker*innen (+97 %), Hörakustiker*innen (+46 %), Pflegefachpersonen (+14 %) oder Kaufleute für Versicherungen und Finanzen (+3 %). 
  • Mittelfristige Folgen der Corona-Krise werden sich im Herbst und Winter zeigen, wenn viele Unternehmen in Deutschland traditionell ihre Ausbildungsplätze für das kommende Ausbildungsjahr ausschreiben.

Die Corona-Krise hat enorme Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt – davon bleibt auch der Ausbildungsmarkt nicht verschont. Sowohl Ausbildungsbetriebe als auch Schulabsolvent*innen sind dieses Jahr vor besondere Herausforderungen gestellt. Mit den Echtzeitdaten von Indeed können wir sowohl die Angebots- als auch die Nachfrageseite des Ausbildungsmarktes abbilden. Wie leicht fällt es Unternehmen dieses Jahr, Auszubildende zu finden? Auf welches Angebot stoßen die Absolvent*innen? Wie schwierig ist es, im Corona-Ausbildungsjahr einen Ausbildungsplatz zu finden? In welchen Bereichen hat es die größten Einbußen gegeben? Und wo steigen aktuell wieder die Chancen auf einen Ausbildungsplatz?

Lockdown-Tief bei der Ausbildungsplatzsuche überwunden

Die Corona-Krise scheint Schulabgänger*innen bei der Ausbildungsplatzsuche stark verunsichert zu haben. Bei den Suchanfragen zu einem Ausbildungsplatz gab es einen starken Rückgang im März und April. Das Lockdown-Tief lag Anfang April 2020 bei -21 % im Vergleich zu vor der Corona-Krise Anfang Februar. Ein Vergleich über die Jahre zeigt zwar, dass sich im Frühling das Suchverhalten nach Ausbildungsplätzen in den vergangenen Jahren generell abgeschwächt hat. Das Jahr 2020 war allerdings vor der Krise ein starkes Jahr – bis Mitte März, als das Suchverhalten plötzlich eingebrochen ist.

Seit dem Corona-Schock nehmen die Suchen nach Ausbildungsplätzen wieder zu. Das sind gute Nachrichten für Ausbildungsbetriebe: Sie haben aktuell wieder bessere Chancen, Auszubildende zu finden, als noch vor einigen Wochen. Die Entwicklung hat seit dem Corona-Tiefpunkt um 24 % zugelegt (entspricht -3 % im Vergleich zum 1. Februar). Aktuell liegt sie bei +20 % (-6 % im Vergleich zum 1. Februar). 

Momentan sind mehr Suchanfragen nach Ausbildungsplätzen zu verzeichnen als für diese Jahreszeit typisch. Hier zeigt sich sehr deutlich ein Nachholeffekt und der weiterhin hohe Bedarf an Ausbildungsplätzen. Letzteres wird auch bei einem Blick in die Daten der Bundesagentur für Arbeit deutlich: Sie zeigen, dass im Juni 2020 21 % weniger gemeldete Bewerber*innen einen Ausbildungsvertrag für das kommende Ausbildungsjahr abgeschlossen haben als noch im Vorjahresmonat.

Rückgang von Stellenausschreibungen: Ausbildungsplätze nicht so stark betroffen wie Arbeitsmarkt insgesamt

Der Rückgang von -6 % der Stellenausschreibungen auf dem Ausbildungsmarkt fällt wesentlich geringer aus als der auf dem gesamten Arbeitsmarkt (-25 %). Das lässt darauf schließen, dass die Investition in zukünftige Fachkräfte weiterhin eine hohe Bedeutung hat. Allerdings muss auch beachtet werden, dass das Ausbildungsjahr im Sommer startet und kein Aufschub möglich ist – anders als bei der Einstellung von anderen Beschäftigten, die das ganze Jahr über erfolgen kann.

Ein Fokus auf neue Stellenausschreibungen zeigt: Nach dem Lockdown-Tief im März und April sind sie im Mai wieder langsam angestiegen und haben im Juni einen kräftigen Aufschwung erlebt. Damit sind sie fast auf Vorkrisenniveau. Aktuell sind neue Stellenausschreibungen für Azubis wieder leicht rückläufig. Das liegt aber auch daran, dass der Start des neuen Azubi-Jahres kurz bevorsteht und es aktuell wohl eher um die Besetzung der vielen noch offenen Positionen geht, als kurzfristig noch weitere neue Stellen auszuschreiben.

Welche Ausbildungsberufe sind unter der Corona-Krise besonders eingebrochen und welche Bereiche bleiben recht unberührt?

Nicht alle Ausbildungsberufe sind gleichermaßen durch die Corona-Krise betroffen. Abhängig davon, in welchem Bereich Absolvent*innen ihre Ausbildung machen möchten, kann es für den Ausbildungsstart im Sommer wesentlich schwerer werden, eine passende Ausbildung zu finden, als in den vergangenen Jahren. 

Ob Stellenausschreibungen für Ausbildungsberufe durch die Corona-Krise betroffen sind, hängt nicht nur davon ab, ob das Unternehmen mit wirtschaftlichen Unsicherheiten konfrontiert ist. Ein weiterer wichtiger Faktor sind die Recruiting-Prozesse. So wurden ausgeschriebene Stellen offline genommen bzw. gar nicht erst ausgeschrieben, da ein digitales Recruiting nicht möglich war bzw. nicht als zielführend angesehen wurde.

Einen besonders starken Rückgang an Stellenausschreibungen zu Beginn der Corona-Krise im März 2020 haben folgende Ausbildungsberufe verzeichnet: Hotelfachleute, Köch*innen, Fachkräfte Lagerlogistik, Kraftfahrzeugmechatroniker*innen, Kaufleute Groß- und Außenhandel, Kaufleute Büromanagement sowie Fachlagerist*innen. 

Nach dem ersten Corona-Schock haben sich die Chancen für Absolvent*innen in einigen dieser Ausbildungsberufe allerdings wieder verbessert, da Unternehmen Ende April wieder mehr Stellen ausgeschrieben haben. Das trifft auf die Ausbildungsberufe Kraftfahrzeugmechatroniker*in und Kaufleute Groß- und Außenhandel zu. Für die Ausbildungsberufe Kaufleute im Büromanagement und Hotelfachleute hat sich die Situation im Juni und Juli zwar etwas entspannt, aber nur auf sehr geringem Niveau.

In vielen Bereichen finden Schulabgänger*innen derzeit weiterhin viel weniger Ausbildungsplätze. Aktuell haben es Absolvent*innen in den folgenden Ausbildungsberufen besonders schwer, einen Ausbildungsplatz zu finden:

Die Hotel- und Tourismusbranche sowie die Gastronomie verzeichnen die stärksten Auswirkungen der Corona-Krise. Stellenausschreibungen für Ausbildungsplätze als 

Hotelfachleute (-44 %), trotz leichter Verbesserung im Juni und Juli, und auch als Köch*innen sind schwierig zu finden. Aber auch bei Mechatroniker*innen zeigt sich eine wesentlich schwächere Entwicklung als im letzten Jahr (-27 %). 

Trotz schlechter Nachrichten und negativer Auswirkungen der Corona-Krise auf den Ausbildungsmarkt gibt es dennoch auch einige gute Nachrichten zu vermelden: Nicht alle Ausbildungsberufe sind gleichermaßen betroffen (siehe Tabelle unten). Einige Bereiche bleiben sogar unberührt bzw. verzeichnen sogar einen Anstieg im Vergleich zur Vorjahresentwicklung. Absolventen*innen, die für den Sommer noch eine Ausbildung als Augenoptiker*innen (+97 %), Hörakustiker*innen (+46 %), Pflegefachpersonen (+14 %) oder Kaufleute für Versicherungen und Finanzen (+3 %) anstreben, haben sehr gute Chancen, auf ein großes Angebot zu treffen.  

Knapp die Hälfte aller aktuellen Stellenausschreibungen für Ausbildungsberufe werden durch die 6 Ausbildungsberufe “Kaufleute für Einzelhandel”, “Verkäufer*innen”, “Pflegefachfrauen, -männer”, “Abiturientenprogramm Einzelhandel und Handelsfachwirt*innen”, “Fachkräfte Lagerlogistik”, “Fachinformatiker*innen” sowie die Gruppe der Dualen Studiengänge geprägt. Das heißt, in diesem Bereich finden sich aktuell noch viele offene Ausbildungsplätze. 

Ein besonderer Tipp dieses Jahr ist die Ausbildung zur Pflegefachfrau bzw. zum Pflegefachmann. Dieser neuer Ausbildungsberuf führt die Ausbildungsberufe Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege sowie Gesundheits- und Kinderkrankenpflege zusammen und ermöglicht den Azubis, sich erst im Laufe der Ausbildung für eine Spezialisierung zu entscheiden. Der große Bedarf nach Fachkräften in der Pflege spiegelt sich auch in der Vielzahl der Stellenausschreibungen für Ausbildungsplätze wider, die durch die Corona-Krise nicht beeinflusst wurden. Somit besteht in diesem Bereich eine sehr gute Chance, einen Ausbildungsplatz zu ergattern. Laut einer aktuellen Studie des Bundesfamilienministeriums stößt dies allerdings bei den Jugendlichen nur auf wenig Interesse.

Mittelfristige Auswirkungen der Corona-Krise auf den Ausbildungsmarkt für Herbst erwartet

Die ersten mittelfristigen Folgen der Corona-Krise werden wir im Herbst beobachten können, wenn viele Unternehmen in Deutschland traditionellerweise beginnen, ihre Ausbildungsplätze auszuschreiben. Eine Zurückhaltung der Unternehmen aufgrund von Kurzarbeit oder anderen wirtschaftlichen Schwierigkeiten könnte sich bereits frühzeitig dramatisch auf das nächste Ausbildungsjahr auswirken. 

Aus den Ergebnissen ergibt sich die Frage: Warum gehen Stellenausschreibungen für Azubis weniger stark zurück als Stellenausschreibungen allgemein? Wie bereits vermutet könnte die Investition in zukünftige Fachkräfte weiterhin eine hohe Bedeutung haben. Der seit vielen Jahren anhaltende Trend der schwierigen Besetzung von Ausbildungsplätzen wird Unternehmen zögern lassen, bei den Ausbildungsplätzen zu sparen. Mitverantwortlich wird hier sicherlich auch sein, dass das Ausbildungsjahr im Sommer startet und keinen Aufschub ermöglicht – anders als die Einstellung von anderen Beschäftigten. Jeder nicht eingestellte Azubi würde somit für 3 Jahre fehlen.

Methodische Hinweise

In unsere Analysen fließen alle Online-Stellenausschreibungen für Ausbildungsplätze auf Indeed für die Jahre 2018, 2019 und für 2020 bis zum 3. Juli 2020 ein. Um die aktuellen Corona-Entwicklungen auf dem Ausbildungsmarkt zu untersuchen, vergleichen wir die Entwicklungen der Online-Stellenanzeigen auf Indeed seit Anfang Februar diesen Jahres mit den Entwicklungen des letzten Jahres im gleichen Zeitraum. Für jeden Tag wird ein gleitender Durchschnitt über 7 Tage berechnet. Dabei dient der 1. Februar als Basiswert (1. Februar = 100). Hierfür berechnen wir die prozentuale Veränderung der Stellenzuwachsrate seit dem 1. Februar im Vergleich zum Vorjahresdatum. Der in einer Tabelle ausgewiesene “Corona-Effekt” bezieht sich auf diese prozentuale Veränderung der Stellenzuwachsrate, allerdings subtrahieren wir Veränderungen, die vor dem 15. März stattgefunden haben, um den Corona-Einfluss zu isolieren. Die in der Tabelle ausgewiesenen Werte “Inklusive Vorkrisen-Entwicklungen” stellen diese Veränderung ohne Abzug von Entwicklungen vor der Corona-Krise dar. 

Wir haben den 1. Februar als Basiswert definiert, da zu dieser Zeit das Coronavirus in Deutschland mit wenigen Ausnahmen noch nicht angekommen war. Erst in der Woche vom 24. Februar wurden zwei Fälle in Heinsberg bekannt, sodass wir die Entwicklungen vor der Coronavirus-Pandemie mit den Entwicklungen während der Coronavirus-Pandemie vergleichen können. 

Bei der tiefgehenden Analyse der spezifischen Ausbildungsberufe konzentrieren wir uns auf 25 Ausbildungsberufe, für die am 3. Juli 2019 (d. h. vor jeglichem Corona-Einfluss) mindestens über 400 Stellenausschreibungen deutschlandweit vorlagen. Wir haben uns entschieden, uns nur auf diese Ausbildungsberufe zu konzentrieren, um möglichst robust gegen Schwankungen zu sein, die nichts mit der Corona-Krise zu tun haben und die bei geringeren Fallzahlen aber einfacher auftreten können. 

Informationen, die auf öffentlich zugänglichen Daten der Indeed Deutschland Website (und ggf. anderen genannten Ländern) basieren, sind keine Vorhersagen zukünftiger Ereignisse und umfassen sowohl bezahlte als auch unbezahlte Stellenausschreibungen. 

Für die Analyse des Suchverhaltens nutzen wir Suchanfragen auf Indeed zu Ausbildungsberufen für die Jahre 2018, 2019 und bis zum 3. Juli 2020 für das Jahr 2020. Jeden Monat nutzen Millionen von Nutzern Indeed für ihre Jobsuche. Um die Entwicklung der Suchanfragen nach Ausbildungsberufen vergleichbar zur Entwicklung der Stellenausschreibungen zu berechnen, nutzen wir die folgende Methode: Wir berechnen für jeden Tag den Anteil an Ausbildungssuchen an allen Suchen und berechnen einen gleitenden Durchschnitt über 7 Tage. Diesen indexieren wir zum 1. Februar (Basiswert 1. Februar = 100), wie wir es auch bereits mit den Stellenausschreibungen machen. Somit ist ein Vergleich von Angebot und Nachfrage – also Stellenausschreibungen und Suchanfragen – möglich.

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