Coronavirus

Coronakrise: Kurzarbeit, Arbeitslosenquote und Stellenausschreibungen


Zahlen von Indeed und der Bundesagentur verdeutlichen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt.

Der Indeed-Job-Index wird regelmäßig aktualisiert, um die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf den deutschen Arbeitsmarkt topaktuell zu betrachten.

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Kurzarbeit verhindert Entlassungen, allerdings steigende Arbeitslosenquote durch weniger Neueinstellungen
  • Entwicklung der Stellenausschreibungen ist stabil, Gastronomie zeigt leichte Stabilisierung

Arbeitslosenquote steigt, weil Arbeitslose seltener einen neuen Job finden 

Neue Zahlen der Bundesagentur für Arbeit lassen schlussfolgern, dass Kurzarbeit Entlassungen verhindert und die Zahl der Zugänge in Arbeitslosigkeit niedrig hält. Vorläufige Hochrechnungen der Bundesagentur gehen für März 2020 von 2,02 Millionen Personen in Kurzarbeit aus. Aktuelle Schätzungen des ifo-Instituts für Mai 2020 gehen von 7,3 Millionen Erwerbstätigen in Kurzarbeit aus. Gleichzeitig ist die Arbeitslosenquote weiter angestiegen und beläuft sich auf 6,1 % im Mai 2020. Besonders bemerkenswert bei dieser Entwicklung der Arbeitslosenzahlen ist, dass sich im April und Mai 2020 2 % weniger Personen neu arbeitslos gemeldet haben als noch im Vorjahr. Das bedeutet, die Coronakrise hat bisher nicht dazu geführt, dass mehr Erwerbstätige ihren Job verloren haben als noch im Vorjahr. Der Anstieg der Arbeitslosenquote ist somit ausschließlich dadurch verursacht, dass Arbeitslose seltener einen neuen Job finden. Im April und Mai 2020 hat es 46 % weniger Abgänge aus Arbeitslosigkeit gegeben als noch im Vorjahr. 

Indeed-Job-Index: Stabile Entwicklung

Arbeitslosen fällt es derzeit schwieriger, einen neuen Job zu finden. Der Grund hierfür liegt darin, dass Unternehmen aufgrund der Coronakrise weniger neue Mitarbeiter*innen suchen.  Wir nutzen Stellenausschreibungen auf Indeed als ein Echtzeit-Maß, um die Auswirkungen der Coronakrise aus den Arbeitsmarkt zu untersuchen. Die Einstellungsabsichten der Unternehmen können aus der Entwicklung der Stellenausschreibungen abgeleitet werden und dementsprechend auch Möglichkeiten von Jobsuchenden, eine neue Anstellung zu finden.

Die Entwicklung der Stellenausschreibungen liegt am 29. Mai bei -26 % im Vergleich zum Jahr 2019. Der negative Trend hat sich seit Mitte April verlangsamt und ist in den letzten beiden Wochen mehr oder weniger stabil. Das bedeutet, die Investition in neue Mitarbeiter*innen ist nicht weiterhin stark rückläufig. Allerdings ist die Verunsicherung der Unternehmen weiterhin groß, sodass sich bisher keine deutliche Erholung der Entwicklung zeigt. 

Ähnliche Entwicklung bei neuen Stellenausschreibungen

Ein Blick auf die Entwicklung neuer Stellenausschreibungen verdeutlicht einen ähnlichen Verlauf. Da Ende Mai 2019 die Zahl der Stellenausschreibungen stark angestiegen ist, beginnt sich der Unterschied zu den aktuellen Corona-Entwicklungen weiter auseinander zu entwickeln. Am 29. Mai 2020 liegt die Entwicklung der neuen Stellenausschreibungen bei -36 % im Vergleich zur Vorjahresentwicklung. 

Bauwesen nicht stark betroffen, Gastronomie zeigt leichte Stabilisierung

Gerade Jobsuchende in den von der Coronakrise stark betroffenen Bereichen treffen auf ein geringes Jobangebot. Dementsprechend dürfte es gerade in diesen Bereichen schwieriger sein, einen neuen Job zu finden.

So hat sich die Entwicklung der Stellenausschreibungen im Bauwesen durch die Coronakrise kaum verändert und entsprechend dürften Jobsuchende in diesem Bereich auch nicht viel von der Krise zu spüren bekommen. Anders sieht es in den stark von den Eindämmungsmaßnahmen betroffenen Berufen aus. In der Hotel- und Tourismusbranche zeigt sich weiterhin keine Erholung bei der Entwicklung der Stellenausschreibungen. Bei Berufen der Gastronomie und Speisenzubereitung deutet sich eine leichte Stabilisierung der Entwicklung an, die eine Abkehr vom Abwärtstrend erhoffen lässt. Die Lockerung der Maßnahmen im Gastro-Bereich scheint sich damit ganz leicht zu zeigen. Um von einer Trendwende zu sprechen, ist es allerdings noch viel zu früh.

Für Jobs in der Autoindustrie, die in den Kategorien zum Maschinenbau und der Produktion sowie Fertigung wieder zu finden sind, zeigt sich im Vergleich ein mittlerer Rückgang der Entwicklung der Stellenausschreibungen. Auch hier verläuft die Entwicklung in den letzten Wochen nahezu stabil, aber weiterhin als Ausdruck großer Verunsicherung seitens der Unternehmen.

Arbeitslosenzahlen und Stellenausschreibungen in den nächsten Wochen

Ob die Zahl der Arbeitslosen in den kommenden Wochen weiter zunehmen wird, hängt davon ab, ob Unternehmen weiterhin auf Kurzarbeit zurück greifen und auf Entlassungen verzichten. Entscheidend wird aber auch sein, ob und wann Unternehmen beginnen, wieder mehr in neue Mitarbeiter*innen zu investieren und Stellen auszuschreiben. Dann dürfte es den Jobsuchenden auch wieder einfacher fallen, neue Jobs zu finden und aus der Arbeitslosigkeit herauszukommen.

Methodische Hinweise

Um die aktuellen Covid-19-Entwicklungen auf den Arbeitsmarkt zu untersuchen, vergleichen wir die Entwicklungen der Online-Stellenanzeigen auf Indeed diesen Jahres seit Anfang Februar mit den Entwicklungen des letzten Jahres im gleichen Zeitraum. Für jeden Tag wird ein gleitender Durchschnitt über 7 Tage berechnet. Dabei dient der 01. Februar als Basiswert (01. Februar = 100). Hierfür berechnen wir die prozentuale Veränderung der Stellenzuwachsrate seit dem 01. Februar im Vergleich zum gleichen Datum des Vorjahres.

Wir haben den 01. Februar als Basiswert definiert, da zu dieser Zeit das Coronavirus in Deutschland mit wenigen Ausnahmen noch nicht angekommen war. Erst in der Woche vom 24. Februar wurden zwei Fälle in Heinsberg bekannt, sodass wir die Entwicklungen vor der Coronavirus-Pandemie mit den Entwicklungen während der Coronavirus-Pandemie vergleichen können. Neue Stellenausschreibungen definieren wir als solche Stellen, die seit 7 Tagen oder kürzer auf Indeed auffindbar sind.

Informationen, die auf öffentlich zugänglichen Daten der Indeed Deutschland Website (und ggf. anderen genannten Ländern) basieren, sind keine Vorhersagen zukünftiger Ereignisse und umfassen sowohl bezahlte als auch unbezahlte Stellenausschreibungen. 

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