Mit Freelancern gegen den Arbeitskräftemangel

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Unternehmen bekämpfen den Engpass an Arbeitskräften mit Freelancern, obwohl sie lieber fest anstellen würden. Für Jobsuchende wird freie Mitarbeit immer attraktiver.

In wirtschaftlich angespannten Zeiten sind Unternehmen vorsichtig mit der Festanstellung von Mitarbeitern und greifen daher eher auf Freelancer zurück. Derzeit befindet sich die deutsche Wirtschaft in einem starken Aufschwung. Die Arbeitslosigkeit ist sehr niedrig, in einigen Regionen gibt es sogar Vollbeschäftigung. Infolgedessen haben Unternehmen zunehmend Schwierigkeiten, qualifizierte Mitarbeiter zu finden, wie etwa Untersuchungen des IW Köln und der Bundesagentur für Arbeit verdeutlichen. Unsere Analysen von Daten der Jobsuchmaschine Indeed zeigen, dass Unternehmen auf Freelancer zurückgreifen, um dem Engpass an Arbeitskräften entgegenzuwirken. Dabei stoßen sie auf Freelancer, die Aufträge suchen, sich aber die Flexibilität der freiberuflichen Tätigkeit erhalten möchten.

Die wichtigsten Ergebnisse in Kürze:

  • Unternehmen suchen hauptsächlich Softwareentwickler/innen (17,4 %) sowie andere IT-Spezialist/innen (15 %) als Freelancer.
  • Unternehmen suchen dann nach Freelancern, wenn sie keine Mitarbeiter/innen zur Festanstellung finden – würden sie aber oft gern einstellen: Fast 25 % der Freelancer-Stellen enthalten ein Angebot zur Festanstellung.
  • Jobsuchende interessieren sich stärker für Freiberuflichkeit: Die Suchanfragen nach Freelancer-Jobs haben seit Januar 2015 um 94,7 % zugenommen
Bei Softwareentwicklung und anderen IT-Spezialisierungen sind Freelancer gefragt

Wir haben Freelancer-Jobs im Dezember 2017 auf de.indeed.com ausgewertet und dabei untersucht, für welche Positionen Unternehmen Freelancer suchen. 32,4 % aller Freelancer- Stellen richten sich an IT-Fachkräfte: Softwareentwickler/innen sind als Freelancer sehr gefragt (17,4 %). Aber auch andere IT-Fachkräfte (15 %) werden als Freelancer gesucht. Besonders auffällig ist hierbei, dass sich über ein Viertel der Anzeigen für andere IT-Fachkräfte an SAP-Consultants und Entwickler/innen richtet. Freelancer-Jobs sind vielfältig, sodass neben den IT-Berufen freie Mitarbeiter/innen auch zum Beispiel für den Vertrieb, das Projektmanagement, als Sprachlehrer/innen, als Ingenieurinnen und Ingenieure, als Pflegekräfte oder für das Webdesign gesucht werden. Die dargestellten zehn Berufe repräsentieren 59 % aller Stellenausschreibungen für Freelancer.

Unternehmen suchen eigentlich fest angestellte Mitarbeiter/innen

Die ökonomische Situation Deutschlands befindet sich seit einigen Jahren im Aufschwung. Eine niedrige Arbeitslosenquote stellt Unternehmen vor die schwierige Aufgabe, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Denn in knapp einem Viertel (23,4 %) der Fälle bieten Unternehmen die Position nicht nur für Freelancer, sondern alternativ auch als Festanstellung an.

Welche Positionen sind es, die Unternehmen auch als Festanstellung ausschreiben? Von diesen Freelancer-Jobs richten sich die meisten ebenfalls an Softwareentwickler/innen (23,3 %). Aber auch andere IT-Fachkräfte (15,5 %) und Pflegekräfte (8,3 %) würden Unternehmen lieber fest einstellen und dafür auf Freelancer verzichten. Gerade bei diesen Jobs wurde in bisherigen Forschungsarbeiten des IW Köln und der Bundesagentur für Arbeit ein Engpass diagnostiziert.

Freie Mitarbeit wird attraktiver

Die Zahl der Freelancer hat sich laut dem Institut für freie Berufe Nürnberg seit Anfang der 2000er fast verdoppelt. Auch immer mehr Jobsuchende interessieren sich für eine freie Mitarbeit. Innerhalb der letzten drei Jahre haben sich die Suchanfragen nach Freelancer-Jobs fast verdoppelt (+94,7 %).

Freelancer sind wie alle Selbstständigen mit höheren finanziellen Unsicherheiten konfrontiert als Beschäftigte in einer Festanstellung. Unterstellt man, dass die meisten Deutschen nach Jobs mit einer gewissen Sicherheit suchen, sind für den Anstieg der Suchanfragen nach freier Mitarbeit zwei Gründe denkbar: Erstens, es sind keine Jobs in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis verfügbar oder zweitens, Freelancer-Jobs haben an Anziehungskraft gewonnen. Aufgrund der guten wirtschaftlichen Lage in Deutschland und der geringen Arbeitslosigkeit liegt die Schlussfolgerung nahe, dass Freelancer-Jobs attraktiver geworden sind. Sei es monetär, zur Selbstverwirklichung, um der eigene Chef zu sein, für eine bessere Work-Life-Balance oder als Zusatzverdienst – eine Vielzahl von Chancen scheint mögliche Risiken zu überwiegen.

Freelancer-Jobs als risikofreie Selbstständigkeit?

Obwohl Freelancer-Jobs attraktiver geworden sind, bestimmen weiterhin Angebot und Nachfrage die Lukrativität – sowohl für Unternehmen als auch für Jobsuchende. Wer nicht die bei Unternehmen heißbegehrten Qualifikationen aufweist und sich stattdessen in großer Konkurrenz mit anderen Freelancern befindet, wird schnell zum “digitalen Tagelöhner” – so werden Freelancer in finanziell weniger attraktiven Ausgangssituationen im Kontext der Gig Economy oft genannt. Prekäre Arbeitsbedingungen sind die Folge.

Die Stellenausschreibungen, die im Fokus dieses Beitrags sind, beziehen sich auf eine selektive Gruppe von Freelancer-Jobs: nämlich solche, die von Unternehmen händeringend gesucht werden. Unternehmen würden diese Stellen nicht ausschreiben, wenn sie bereits Freelancer zur Hand hätten. Darüber hinaus dürfte es sich um Stellen handeln, die ein längeres Commitment, z. B. für ein langfristiges Projekt, erfordern, während klassische Aufgabenfelder für Freelancer im kurz angelegten Geschäft liegen: etwa ein Mitarbeiter-Fotoshooting oder die Übersetzung einer Broschüre.


Methodik:

Freelancer, Freiberufler/innen oder freie Mitarbeiter/innen – diese verschiedenen Begriffe haben wir genutzt, um Selbstständige in freien Berufen zu identifizieren. Die Analysen beziehen sich auf Stellenausschreibungen und Jobsuchen auf de.indeed.com. Für Trends der Jobsuchen haben wir auf Daten von Januar 2015 bis Dezember 2017 zurückgegriffen. Die Analyse der Stellenausschreibungen bezieht sich auf Stellenausschreibungen, die im Dezember 2017 auf de.indeed.com zu finden waren. Um einen Vergleich über die Zeit zu ermöglichen, setzen wir die dargestellten Trends jeweils in das Verhältnis zu allen Stellenausschreibungen und Suchanfragen im beobachteten Zeitraum.

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