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Arbeitsmarktanalysen

Brexit: Deutsche suchen seltener Jobs in Großbritannien


Aktuelle Indeed-Zahlen zeigen, wie das Jobsuchverhalten in verschiedenen Ländern durch den Brexit beeinflusst wird.

  • In Deutschland sind die Suchanfragen nach Jobs in London um 7 % zurückgegangen
  • Auch im Ausland sinkt das Interesse an Jobs in der Metropolregion London
  • Suchanfragen aus Kroatien steigen drastisch

Der Brexit ist nun offiziell vollzogen, die Verhandlungen über mögliche Freihandelsabkommen sind in vollem Gange und die Folgen des EU-Austritts sind noch nicht absehbar. Eines aber zeigen die Daten der Jobseite Indeed eindeutig: Die Verschiebung im europäischen Jobmarkt wird deutlich sichtbar werden.

Seit der Brexit-Ankündigung 2016 sinkt im Ausland das Interesse an Jobs in der Metropolregion London: Der Anteil der Klicks auf Londoner Jobs am Gesamtvolumen der Klicks aus dem europäischen Ausland ist zwischen 2016 und 2019 um 13 % zurückgegangen. Das scheint insbesondere darauf zurückzuführen zu sein, dass der Finanzplatz London durch die zunehmende Unsicherheit an Attraktivität verliert.

Europäische Jobsuchende, die sich nach Jobs in London umschauen, interessieren sich derweil insbesondere für Tätigkeiten als Französischlehrer*innen (29,9 % Anteil aller Suchanfragen aus dem EU-Ausland) oder Spanischlehrer*innen (26,5 %). Auf Platz vier der Suchanfragen liegen die Übersetzer*innen (21,8 %). Unter den Top 10 ist kein Finanzjob zu finden.

Mehr Jobsuchende aus Kroatien und Estland statt Norwegen und Finnland

An Jobs in London interessiert sind Menschen aus anderen Herkunftsländern als früher. Bislang hatten insbesondere Jobsuchende aus Ländern in Nord-, Mittel- und Osteuropa mit wachsender Wirtschaft und stabilen Arbeitsmärkten entsprechende Suchanfragen getätigt. Aktuell geht der Trend jedoch hin zu südeuropäischen Ländern mit hohen Arbeitslosigkeitsraten wie Spanien, Italien und Frankreich. 

Der Anteil der skandinavischen Jobsuchenden an der Gesamtmenge der Suchen aus dem EU-Ausland hat drastisch abgenommen: Gesunkene Werte für Norwegen (-37 %), Finnland (-15 %) und Dänemark (-13%) stehen allerdings einem Wachstum in Schweden gegenüber (+21 %), das damit den dritthöchsten Zuwachs an Jobsuchen in London aufweist. Mehr zugelegt haben nur Kroatien, wo sich der Anteil fast verdoppelt hat (+82 %), und Estland (+22 %). Aus Italien stammen immerhin 15 % mehr Klicks. Aus Deutschland sind die Suchen nach Jobs in London um 7 % zurückgegangen.

Brit*innen suchen vermehrt Jobs im Ausland

Umgekehrt steigt das Interesse der Brit*innen an Jobs im Ausland: Nach der richtungsweisenden Parlamentswahl im Dezember 2019 legten die britischen Suchanfragen nach Jobs außerhalb Großbritanniens sprunghaft um 25 % zu. Darin zeigt sich ein Muster: Infolge wichtiger politischer Verschiebungen oder Entscheidungen ziehen die Suchen nach Jobs im Ausland regelmäßig deutlich an. So weisen die Indeed-Daten zum Beispiel vergleichbare Sprünge für das erste Brexit-Referendum oder beim Inkrafttreten von Artikel 50 auf. 

Der Zuwachs an Jobsuchen aus Großbritannien im Ausland ist deutlich, insbesondere in Kanada und Irland – Ländern mit der gleichen Muttersprache und starken Beziehungen zu Großbritannien. Gleichwohl stieg auch das Interesse an Jobs im europäischen Ausland: Möglicherweise wollen Beschäftigte mit Wurzeln auf dem Festland wieder in die Heimat zurückkehren. Eine weitere Ursache kann der unklare Migrationsstatus für Nicht-GB-Bürger nach der Übergangsphase am Ende des Jahres sein. Insgesamt erschweren diese Trends den Arbeitgebern die Lage auf dem britischen Arbeitsmarkt, wo eine große Nachfrage nach Fachkräften herrscht, zusätzlich.