Arbeitsmarktanalysen

Wie steht es um den deutschen Arbeitsmarkt?


Arbeitslosigkeit und Arbeitslosenquoten geben Hinweise darauf, wo sich Schwächen zeigen und wo es weiterhin gut läuft.

Der Handelskrieg zwischen den USA und China, der Brexit, politische Spannungen in Hongkong – die exportorientierte deutsche Wirtschaft muss derzeit einige globale Unwägbarkeiten hinnehmen, die nicht spurlos an ihr vorübergehen. Das zeigen aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes zur Wirtschaftsleistung im 2. Quartal 2019.

Unterm Strich hält sich der deutsche Arbeitsmarkt bisher gut. Allerdings gibt es große Unterschiede – abhängig von der Branche, dem Beruf, dem Qualifikationsniveau und auch der Region. Typischerweise nicht so stark von der Konjunktur beeinflusst sind Branchen wie die öffentliche Verwaltung, das Gesundheitswesen sowie Erziehung und Unterricht. Andere Bereiche zeigen hingegen eine Schwächung des Arbeitsmarktes. Wir wollen heute einen genaueren Blick auf die Arbeitslosigkeit und die Arbeitslosenquoten werfen und verdeutlichen, wo es weiterhin gut läuft – und wo sich erste Schwächen zeigen, die einer genauen Beobachtung in den nächsten Monaten bedürfen.

Wer ist arbeitslos? Der Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Qualifikationsniveau

Die allgemein niedrige Arbeitslosenquote in Deutschland täuscht darüber hinweg, wie unterschiedlich diese – abhängig von der Qualifikation – ausfällt. Die Bundesagentur für Arbeit bezeichnet dies als Anforderungsniveau und nutzt hierfür die offiziellen Kategorien Helfer, Fachkraft, Spezialist und Experte. Als Helfer*innen gelten Menschen ohne formalen Bildungsabschluss oder nur mit einer einjährigen Berufsausbildung, während Fachkräfte über eine mindestens zwei- bis dreijährige Ausbildung verfügen. Spezialist*innen haben sich fortgebildet, z. B. durch einen Bachelorabschluss, Meister- oder Technikerabschluss, und übernehmen Planungs- und Führungsaufgaben. Unter Expert*innen versteht die Bundesagentur für Arbeit Menschen mit einer mindestens vierjährigen Hochschulausbildung, die hoch komplexe Tätigkeiten übernehmen.

Es ist nicht überraschend, dass Bildung vor Arbeitslosigkeit schützt. Ein Blick auf die Arbeitslosenquoten nach Qualifikationsniveau zeigt dann aber deutlich, wie hoch die Arbeitslosenquote von Helfer*innen gerade in Ostdeutschland ist – trotz der allgemein positiven wirtschaftlichen Entwicklung im Jahr 2018 (die derzeit aktuellsten Zahlen): Fast 20 % der Helfer*innen in Ostdeutschland sind arbeitslos. Es wird auch deutlich, dass es zwischen Fachkräften, Spezialist*innen und Expert*innen kaum noch einen Unterschied bei der Arbeitslosenquote gibt. Insgesamt wird somit klar: Die Arbeitslosenquote wird in erster Linie durch die Arbeitslosigkeit von Helfer*innen getrieben. Besser qualifizierte Erwerbspersonen im Jahr 2018 waren hingegen unterdurchschnittlich häufig arbeitslos. Der Unterschied zwischen West- und Ostdeutschland besteht hierbei primär auf dem niedrigsten Qualifikationsniveau – bei den Helfer*innen. Auch in Ostdeutschland ist die Arbeitslosenquote von Spezialist*innen und Expert*innen höher als in Westdeutschland, aber verhältnismäßig viel weniger durch den Standort beeinflusst als bei Helfer*innen.

2,32 Millionen Menschen waren im August 2019 arbeitslos. Ein Blick auf die aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit verdeutlichen, welche Personengruppen derzeit von Arbeitslosigkeit betroffen sind: Fast die Hälfte der derzeit Arbeitslosen sind Helfer*innen (46 %).  Etwas mehr als ein weiteres Drittel gehört zu den Fachkräften (36 %). Expert*innen und Spezialist*innen finden sich nur selten unter den Arbeitslosen.

Langzeitarbeitslosigkeit ist ebenfalls ein Problem, das häufig mit niedrigerer Qualifikation einhergeht. Im August 2019 waren ein Fünftel der arbeitslosen Spezialist*innen (20 %) und ein Sechstel der arbeitslosen Expert*innen (16 %) langzeitarbeitslos, während das auf über ein Drittel der arbeitslosen Helfer*innen (36 %) und sogar auf 30 % der arbeitslosen Fachkräfte zutraf. 

Wo schwächelt die Arbeitslosigkeit?

Das bedeutet: Eine niedrigere Qualifikation führt nicht nur zu einem höheren Risiko, arbeitslos zu sein, sondern auch zu einer höheren Wahrscheinlichkeit, in die Langzeitarbeitslosigkeit zu geraten. Diese Entwicklungen beziehen sich nun alle auf die gegenwärtige Arbeitsmarktlage, die trotz leichter Schwächen immer noch sehr positiv dasteht. In vielen Branchen, Berufen und Regionen wird sogar ein Fachkräftemangel beklagt. Was aber ist zu erwarten, wenn sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt verschlechtern sollte?

Wir haben uns die aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit angeschaut, um zu untersuchen, was wir zur Entwicklung der Arbeitslosigkeit abhängig von der Qualifikation beobachten können. Die gute Nachricht: Für einen großen Teil des Jahres 2019 ist die Arbeitslosigkeit unabhängig von der Qualifikation weiter gesunken. Allerdings lässt sich seit April der Trend beobachten, dass die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr immer schwächer sinkt. Bei Expert*innen hat sich im Vergleich zum Vorjahr in den letzten Monaten sogar ein leichter Anstieg der Arbeitslosigkeit gezeigt.

Der Arbeitsmarkt ist ständig in Bewegung. Das heißt, Menschen werden arbeitslos, andere finden einen Job, noch andere scheiden aus dem Arbeitsmarkt aus und wieder andere treten neu in den Arbeitsmarkt ein. Die Arbeitslosenquote bzw. die Zahl der Arbeitslosen wirkt dagegen als eine sehr statische Zahl, die diese Entwicklungen nicht darstellen kann.

Um einen Eindruck davon zu bekommen, welche Unternehmen gerade Mitarbeiter entlassen bzw. befristete Verträge nicht entfristen oder verlängern, haben wir einen Blick auf die Zugänge bei der Arbeitslosigkeit für verschiedene Wirtschaftszweige geworfen. Hierbei zeigt sich sehr gut, welche Branchen im Verlauf des bisherigen Jahres im Vergleich zum Vorjahr mehr oder weniger Personen in die Arbeitslosigkeit entlassen haben. Wie die Arbeitslosigkeit genau entstanden ist, also durch Kündigung des Arbeitgebers, einen ausgelaufenen befristeten Vertrag oder durch eine eigene Kündigung ohne Anschlussbeschäftigung, lässt sich aus den verwendeten Daten nicht ablesen. Letzteres ist jedoch eher untypisch.

Besonders fällt das verarbeitende Gewerbe auf, zu dem die Automobilhersteller mit allen Zulieferern zählen. Umgekehrt verzeichnen die öffentliche Verwaltung und auch der Bereich Erziehung und Unterricht etwa einen Rückgang an neuer Arbeitslosigkeit. Ist dies ein Ausdruck des Lehrkräftemangels und der Diskussion um die anstehende Verrentung von vielen Beamt*innen der Babyboomer-Generation? Das wird sich noch zeigen. 

Fazit

Auch wenn die neuesten Arbeitsmarktzahlen zeigen, dass die konjunkturelle Schwächung mittlerweile auch auf dem Arbeitsmarkt angekommen ist, bleibt dieser dennoch weiterhin recht stabil. Die Arbeitslosenquote hat im Vergleich zum Vormonat leicht zugelegt, ist aber immer noch niedriger als vor einem Jahr. 

In den folgenden Monaten heißt es weiterhin, die Arbeitsmarktentwicklungen genau im Auge zu behalten und zu identifizieren, wo es weiterhin gut läuft und wo sich Schwächen zeigen. Um ein ganzheitliches Bild zu zeichnen, das sich nicht nur auf die Arbeitslosigkeit fokussiert, werde ich in einem meiner kommenden Arbeitsmarktkommentare auch einen genaueren Blick auf die Entwicklung der offenen Stellen in Deutschland werfen. Stay tuned!

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