Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Frist für die Umsetzung der EU-Richtlinie zur Lohntransparenz läuft im Juni 2026 ab – die meisten großen Mitgliedstaaten werden sie voraussichtlich verpassen.
  • Zwischen den Ländern gibt es beträchtliche Unterschiede: In Großbritannien enthält mehr als jede zweite Stellenanzeige eine Gehaltsangabe, in Deutschland nur jede achte.
  • Der Anteil der Anzeigen mit Gehaltsangabe hat sich kaum bewegt; eine bemerkenswerte Ausnahme bildet der Anstieg in Italien von 22 % auf 36 % binnen eines Jahres.
  • Breite und Präzision der Spannen variieren stark: deutsche Stundensätze umfassen im Median eine Spanne von 19 % (z. B. 15–17,85 €/Std.), französische dagegen nur 8 % (z. B. 15–16,20 €/Std.).
  • Stundenlohnanzeigen sind am informativsten: häufiger ein genauer Betrag, und wenn eine Spanne – dann eine engere.

Das Hiring Lab veröffentlicht seinen monatlich aktualisierten Gehaltstransparenz-Tracker auf dem Hiring Lab Data Portal

Das Gehalt ist der wichtigste Anreiz bei der Jobsuche – dennoch fehlt es in vielen europäischen Stellenanzeigen. Das hat Folgen: Ohne Gehaltsangaben entsteht ein Ungleichgewicht bei Verhandlungen, das laut Studien die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern zementiert. Eine frühzeitige Offenlegung verbessert zudem das Matching: Jobsuchende können sich auf Basis realistischer Informationen gezielt auf Stellen mit einer Vergütung bewerben, die ihren Vorstellungen entspricht. Die Daten des Indeed Hiring Lab zeigen jedoch: Stellenanzeigen bleiben in den meisten großen europäischen Volkswirtschaften weiterhin intransparent und der Fortschritt bei der Gehaltstransparenz stagniert. 

Drei Jahre nach der Verabschiedung der EU-Richtlinie zur Lohntransparenz im Jahr 2023 haben die größten Mitgliedstaaten, darunter Deutschland und Frankreich, noch immer keine Gesetze dazu erlassen. Und die EU-Frist im Juni 2026 werden sie voraussichtlich verpassen. Der französische parlamentarische Kalender macht eine Verabschiedung vor Juni unwahrscheinlich; die Niederlande haben die Umsetzung auf 2027 verschoben. Und auch Deutschland hat trotz eines Abschlussberichts einer Expertenkommission mit Umsetzungsempfehlungen vom Oktober 2025 noch keinen Gesetzentwurf vorgelegt. 

Italien und Irland haben dagegen bereits Gesetzentwürfe vorgelegt, die über die Vorgaben der Richtlinie hinausgehen. Diese verlangt von Arbeitgebenden lediglich, Bewerbenden das Gehalt vor einem Vorstellungsgespräch zu nennen – nicht zwingend schon in der Stellenausschreibung. Das macht einen entscheidenden Unterschied: Erfahren Bewerbende das Gehalt erst kurz vor oder während des Gesprächs, haben sie bereits Zeit und Mühe investiert. Nur Angaben in der Stellenanzeige sind von Anfang an für alle sichtbar – und damit der aussagekräftigste Indikator für tatsächliche Transparenz.

Lohntransparenz in europäischen Stellenanzeigen bleibt gering: trotz EU-Richtlinie kaum Fortschritt

In den meisten großen europäischen Volkswirtschaften herrscht in den Stellenanzeigen großes Schweigen, wenn es um das Gehalt geht. Nur 12 % der deutschen und 17 % der spanischen Stellenanzeigen enthalten Gehaltsangaben. Am anderen Ende des Spektrums erreicht Großbritannien 56 %, während die Niederlande (48 %), Frankreich (43 %), Irland (39 %) und Italien (36 %) im Mittelfeld liegen. 

Zwar ist der langfristige Trend seit 2019 in den meisten Ländern positiv, doch die Daten der letzten zwei Jahre zeigen eine weitgehende Stagnation. Italien hebt sich als einziges Land hervor, das in den letzten Monaten kontinuierlich zulegte: von etwa 22 % im März 2025 auf 36 % ein Jahr später. Großbritannien hingegen, obwohl nicht direkt von der EU-Richtlinie betroffen, verzeichnet einen Rückgang. Trotz seiner Rolle als transparentester großer europäischer Arbeitsmarkt sank dort der Anteil der Stellenanzeigen mit Gehaltsangaben – von fast zwei Dritteln auf knapp über die Hälfte. Es bleibt abzuwarten, ob die EU-Richtlinie und nationale Gesetze positive Effekte auf britische Arbeitgebende haben, besonders auf jene mit internationaler Präsenz. 

Das Liniendiagramm mit dem Titel „Gehälter bleiben in Deutschland meist geheim“ zeigt den Anteil der Stellenanzeigen mit Gehaltsangaben für Großbritannien mit dem höchsten Wert, gefolgt von den Niederlanden, Frankreich, Irland, Italien, Spanien und Deutschland.
Das Liniendiagramm mit dem Titel „Gehälter bleiben in Deutschland meist geheim“ zeigt den Anteil der Stellenanzeigen mit Gehaltsangaben für Großbritannien mit dem höchsten Wert, gefolgt von den Niederlanden, Frankreich, Irland, Italien, Spanien und Deutschland.

Abkühlende Arbeitsmärkte bremsen die Lohntransparenz

Die Gehaltstransparenz stagniert – auch, weil die Nachfrage nach Arbeitskräften in den meisten großen europäischen Märkten sinkt: etwa in Frankreich, Irland, den Niederlanden und Großbritannien. Arbeitgebende gewinnen an Verhandlungsmacht und bremsen so die Transparenz weiter aus. Wo der Arbeitsmarkt weniger angespannt ist und klare Offenlegungspflichten fehlen, reicht die EU-Richtlinie allein nicht, um mehr Gehaltsangaben durchzusetzen. Italien und Spanien stechen aus dem allgemeinen Abkühlungstrend heraus: Dort liegt die Arbeitskräftenachfrage noch deutlich über dem Niveau vor der Pandemie. In Spanien bleibt die Gehaltstransparenz dennoch gering – vielleicht auch, weil das Verhältnis von offenen Stellen zu Arbeitslosen im EU-Vergleich noch relativ niedrig ist. Italien dagegen hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, der Arbeitgebende zur Angabe von Gehältern in Stellenanzeigen verpflichtet. Zudem trägt ein neuer Schritt im Veröffentlichungsprozess auf Indeed in Italien seit 2025 dazu bei, dass Arbeitgebende häufiger Gehälter angeben. 

Analysen des Indeed Hiring Lab zu Lohntransparenzgesetzen in Kanada und den USA zeigen: Arbeitgebende änderten ihr Verhalten erst, als konkrete Offenlegungspflichten galten – und kaum schon im Vorfeld. Das Muster in Europa scheint bislang ähnlich zu sein: Da die meisten großen EU-Mitgliedstaaten noch keine nationalen Gesetze verabschiedet haben, sind viele Arbeitgebende offenbar noch nicht bereit, ihre Praxis bei Stellenausschreibungen zu ändern. Vor diesem Hintergrund ist die EU-Frist im Juni 2026 weniger ein verbindlicher Startschuss als vielmehr ein Ausgangspunkt für die in den kommenden Monaten anstehenden Gesetzgebungsprozesse  in den meisten Mitgliedstaaten. Einzelne Länder können über die Richtlinie hinausgehen und eine vorgelagerte Offenlegungspflicht vorschreiben – solange sie dies jedoch nicht tun, erlaubt die Richtlinie es Arbeitgebenden, Gehaltsangaben in Ausschreibungen wegzulassen.

Die Unterschiede in der Transparenz zwischen den Ländern zeigen auch, wie die jeweiligen Lohnfindungsinstitutionen arbeiten: In Großbritannien wird die Vergütung meist marktbasiert auf Unternehmensebene festgelegt, während in weiten Teilen Kontinentaleuropas Tarifverhandlungen auf Sektor- oder Branchenebene die Löhne bestimmen. In der Praxis lassen sich Gehälter dort oft aus öffentlich zugänglichen Entgelttabellen ableiten. Deutschlands besonders niedriger Transparenzanteil passt ins Bild: Da Tarifverträge die Gehälter weitgehend regeln, haben einzelne Arbeitgebende wenig Grund, Gehaltsspannen in Stellenanzeigen zu nennen. Die EU-Richtlinie sieht deshalb ausdrücklich vor, dass Sozialpartner wie Gewerkschaften Bewerbenden Gehaltsinformationen bereitstellen können.

Laut einer Indeed-Umfrage in sechs Ländern wünschen sich europäische Jobsuchende und Arbeitnehmende ausdrücklich Gehaltstransparenz in Stellenanzeigen: Eine große Mehrheit der Befragten in allen erfassten Ländern (zwischen 61 % in Deutschland und 82 % in Irland) gibt an, eher auf eine Stelle mit Gehaltsangabe zu reagieren. Ein noch höherer Anteil (64 % bis 83 %) ist der Meinung, dass Stellenanzeigen standardmäßig Gehaltsspannen enthalten sollten. Besonders aufschlussreich ist, dass Frauen beiden Aussagen häufiger zustimmen als Männer. Das stützt das Argument, dass Transparenz helfen kann, geschlechtsspezifische Unterschiede im Bewerbungsverhalten und bei Verhandlungen unter Unsicherheit zu verringern.

Das Balkendiagramm mit dem Titel „Europäische Jobsuchende wünschen sich mehr Gehaltstransparenz“ zeigt den Anteil der Befragten, die folgenden Aussagen zustimmen:  „Ich würde mich eher auf eine Stelle bewerben, wenn die Gehaltsspanne angegeben wäre“ und „Stellenanzeigen sollten standardmäßig Gehaltsspannen enthalten“. Hier liegen Irland und Großbritannien vorn, Deutschland belegt den letzten Platz. Bei beiden Fragen ist der Anteil der Zustimmenden bei den Frauen höher als bei den Männern.
Das Balkendiagramm mit dem Titel „Europäische Jobsuchende wünschen sich mehr Gehaltstransparenz“ zeigt den Anteil der Befragten, die folgenden Aussagen zustimmen:  „Ich würde mich eher auf eine Stelle bewerben, wenn die Gehaltsspanne angegeben wäre“ und „Stellenanzeigen sollten standardmäßig Gehaltsspannen enthalten“. Hier liegen Irland und Großbritannien vorn, Deutschland belegt den letzten Platz. Bei beiden Fragen ist der Anteil der Zustimmenden bei den Frauen höher als bei den Männern.

Mehr Transparenz bei niedrig entlohnten Stellen

Die Transparenzraten unterscheiden sich stark je nach Beruf. Die transparentesten Berufsgruppen umfassen typischerweise niedriger bezahlte, standardisierte Tätigkeiten: beispielsweise bei Reinigungsdiensten in Deutschland, im Transportwesen in Spanien und Italien, in der häuslichen Pflege in Großbritannien und Frankreich, in der Kinderbetreuung in Irland sowie in der Sozialarbeit in den Niederlanden. Typisch für viele dieser Bereiche sind eine höhere Fluktuation und eine größere relative Ersetzbarkeit der Arbeitskräfte sowie weniger nichtmonetäre Zusatzleistungen für Arbeitnehmende. Das Gehalt ist somit eines der wichtigsten Pfunde, mit denen Arbeitgebende im Wettbewerb wuchern können. In Österreich, wo Gehaltsangaben in Stellenanzeigen seit 2011 verpflichtend sind, weisen Stellen mit geringeren Qualifikationsanforderungen ebenfalls höhere Compliance-Raten auf.

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In den meisten Ländern sind Berufe mit Stundenlohn – oft schlechter bezahlt oder befristet – tendenziell transparenter als solche mit Jahresgehältern. Dieses Muster zeigt sich deutlich in Großbritannien, Deutschland, Frankreich und, weniger stark, in Italien. Eine Ausnahme bilden die Niederlande: Dort werden in den Stellenanzeigen meist Monatsgehälter angegeben, und Berufe mit Stundenlohn sind nicht transparenter. 

Genaue Zahlen sind die Ausnahme, Gehaltsspannen die Regel

In den wenigsten Stellenanzeigen mit Gehaltsangabe wird ein konkreter Betrag genannt. Die überwiegende Mehrheit gibt entweder eine Gehaltsspanne oder eine Ober- oder Untergrenze an. Genaue Angaben sind in Großbritannien am häufigsten, wo 32 % der Stellenanzeigen ein exaktes Gehalt nennen, gefolgt von Spanien und Frankreich (beide 24 %). Ein konkreter Betrag wird am seltensten in Stellenanzeigen mit Gehaltsangaben in Italien (10 %) und den Niederlanden (8 %) angegeben.

Das Balkendiagramm mit dem Titel „Genaue Zahlen sind die Ausnahme, Gehaltsspannen die Regel“ zeigt, in welchem Format in den einzelnen Ländern die Gehälter in gehaltstransparenten Stellenanzeigen angegeben werden: mit einer Spanne, einer Unter- oder Obergrenze oder einem festen Betrag. 
Das Balkendiagramm mit dem Titel „Genaue Zahlen sind die Ausnahme, Gehaltsspannen die Regel“ zeigt, in welchem Format in den einzelnen Ländern die Gehälter in gehaltstransparenten Stellenanzeigen angegeben werden: mit einer Spanne, einer Unter- oder Obergrenze oder einem festen Betrag. 

Die Genauigkeit von Gehaltsangaben hängt stark von der Vergütungsart ab. Stundenlöhne werden oft als präziser Betrag angegeben. Bei Gehaltsspannen sind die Angaben meist genauer als bei Monats- oder Jahresgehältern. In Spanien beispielsweise nennen 53 % der Stellenanzeigen für Stundenlöhne einen exakten Wert, während dies bei Jahresgehältern nur in 21 % der Fälle geschieht. In Deutschland zeigt sich dasselbe Muster, wenn auch auf etwas niedrigerem Niveau: 39 % der Stundenlohnanzeigen geben einen genauen Betrag an, gegenüber nur 14 % der Anzeigen mit Monatsgehalt.

Das Hanteldiagramm mit dem Titel „Stundenlöhne werden häufiger als genauer Betrag angegeben“ zeigt den Anteil der Stellenanzeigen mit Gehältern, bei denen ein genauer Betrag anstatt einer Spanne oder einer Ober-/Untergrenze angegeben wird, nach Land und Zahlungshäufigkeit.
Das Hanteldiagramm mit dem Titel „Stundenlöhne werden häufiger als genauer Betrag angegeben“ zeigt den Anteil der Stellenanzeigen mit Gehältern, bei denen ein genauer Betrag anstatt einer Spanne oder einer Ober-/Untergrenze angegeben wird, nach Land und Zahlungshäufigkeit.

Da die meisten Stellenanzeigen eine Spanne statt eines Festbetrags nennen, bleibt das tatsächliche Gehalt von Erfahrung, Qualifikation und Verhandlung abhängig. Dabei unterscheiden sich die Spannbreiten allerdings stark je nach Land und Vergütungsart. Bei Stundenlöhnen liegt die mittlere Spanne in Deutschland bei 19 % des unteren Werts (z. B. 15–17,85 €/Std.), in Frankreich dagegen bei nur 8 % (z. B. 15–16,20 €/Std.). Bei Monatsgehältern fällt die Spanne generell weiter aus – in Deutschland beispielsweise 23 % (z. B. 2.000–2.460 €). Stundenlohnspannen sind – mit Ausnahme Spaniens – in allen Ländern enger als Monats- oder Jahresgehaltsspannen.

Das Balkendiagramm mit dem Titel „Stundenlohnjobs weisen in der Regel engere Gehaltsspannen auf“ zeigt die mittlere Gehaltsspanne in Prozent der unteren Grenze in Stellenanzeigen mit Gehaltsangaben – aufgeschlüsselt nach Land, Stunden- und Monats- bzw. Jahresgehalt.
Das Balkendiagramm mit dem Titel „Stundenlohnjobs weisen in der Regel engere Gehaltsspannen auf“ zeigt die mittlere Gehaltsspanne in Prozent der unteren Grenze in Stellenanzeigen mit Gehaltsangaben – aufgeschlüsselt nach Land, Stunden- und Monats- bzw. Jahresgehalt.

Fazit

Europäische Arbeitgebende werden voraussichtlich zögern, ihre Stellenanzeigen aktiv zu ändern – zumindest bis nationale Gesetze sie dazu zwingen. Doch selbst dann bleibt die Qualität der Gehaltsangaben fraglich: Manche Arbeitgebende könnten Spannen angeben, die zwar gesetzeskonform sind, Bewerbenden aber kaum Einblick in die tatsächliche Vergütung bieten. Aktuelle Daten zeigen, wie wenig europäische Jobsuchende über die Gehälter der Stellen wissen, auf die sie sich bewerben. Bis nationale Gesetze greifen, dokumentieren diese Zahlen den Status quo und verdeutlichen, wie viel noch zu tun ist.

Methodik

Wir berechnen die Gehaltstransparenz in Stellenanzeigen, indem wir die Anzahl der Stellenanzeigen mit Gehaltsangabe durch die Gesamtzahl der Anzeigen in einem bestimmten Monat teilen. Die Gehaltsinformationen stammen aus den von Arbeitgebenden auf Indeed veröffentlichten oder indexierten Anzeigen. Einige Stellenanzeigen verweisen auf öffentlich verfügbare Vergleichswerte wie den Mindestlohn oder Tariflohntabellen, anstatt Zahlen explizit anzugeben. Die Einbeziehung dieser Fälle in die Definition von Transparenz hat keinen wesentlichen Einfluss auf die Ergebnisse der Analyse.

Die Indeed/Censuswide-Umfrage zu Präferenzen bezüglich Lohntransparenz wurde im Januar 2025 unter 6.011 Arbeitnehmenden und Jobsuchenden ab 18 Jahren in Großbritannien, den Niederlanden, Frankreich, Italien, Deutschland und Irland durchgeführt.