Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • Das Stellenangebot sinkt im zweiten Quartal 2026 um 3,9 %. Angesichts schwächerer Konjunkturaussichten verzögert sich eine Erholung des Arbeitsmarkts weiter.
  • Von 38 Berufsgruppen verzeichnen sechs einen Zuwachs an Stellenausschreibungen – davon drei aus dem Gesundheitssektor.
  • Das Reallohnwachstum der auf Indeed ausgeschriebenen Stellen ist zuletzt gesunken, bleibt aber – anders als im Euroraum – positiv.
  • Das Angebot an Sommer- und Ferienjobs trotzt dem allgemeinen Abwärtstrend und lag im Juni auf dem Niveau des Vorjahres.

Unser quartalsweise erscheinendes Arbeitsmarkt Update betrachtet wichtige Trends auf dem Arbeitsmarkt unter Verwendung von Indeed-Daten und ergänzt damit Daten der amtlichen Statistik. Die hier verwendeten Daten werden regelmäßig aktualisiert und können in unserem Indeed Datenportal frei abgerufen werden.

Der Energiepreisanstieg infolge des Irankriegs hat eine vorsichtige wirtschaftliche Erholung in Deutschland ausgebremst. Die Bundesregierung senkte  ihre BIP-Prognose für 2026 im April von 1,0 % auf 0,5 %. Zudem belasten dDie gestiegene Inflation und unterbrochene Handelswege belasten weiterhin die ohnehin unter Druck stehende exportorientierte deutsche Industrie. Zwar zeigten das DIW-Konjunkturbarometer und der ifo-Geschäftsklimaindex zuletzt erste Erholungstendenzen, sie bleiben jedoch deutlich unter dem Niveau vom Jahresbeginn.

Stellenangebot sinkt im zweiten Quartal weiter

Die eingetrübten Konjunkturaussichten lassen den Stellenmarkt auch im zweiten Quartal schrumpfen. Am 30. Juni stand der Indeed Arbeitsmarkt Index bei 106 Punkten, verglichen mit 110 Punkten am 1. April. Dies entspricht einem Minus von 3,9 % seit Quartalsbeginn. Dieser Rückgang bewegt sich in der gleichen Größenordnung wie im Vorquartal (-4,5 %) und im Vorjahresquartal (-3,6 %). Eine Stabilisierung, die sich Ende 2025 abzeichnete, rückt damit wieder in die Ferne. Das Stellenangebot liegt mittlerweile auf dem niedrigsten Stand seit mehr als fünf Jahren:, Iim Vergleich zum Höhepunkt im Frühjahr 2022 sind 39 % weniger Stellen ausgeschrieben.

Das Liniendiagramm mit dem Titel „Der Stellenmarkt ist im zweiten Quartal um 3,9 % zurückgegangen“ zeigt die Entwicklung des Indeed Arbeitsmarkt Index bis zum 30. Juni 2026. Im zweiten Quartal 2026 setzte sich der Abwärtstrend auf dem Stellenmarkt fort.

Vor allem Berufsgruppen im medizinischen Bereich trotzen dem Rückgang

Der Abwärtstrend am Stellenmarkt erfasst die meisten Berufe. Im zweiten Quartal verzeichneten nur sechs von 38 Berufsgruppen eine positive Entwicklung. Bemerkenswert ist dabei, dass die Hälfte dieser aus dem Gesundheitssektor stammt.

So stieg das Stellenangebot in der Zahnmedizin um 25,3 %, darunter Zahnärzt*innen (+28,2 %), zahnmedizinische Fachangestellte und Assistenzen (+ 26,1 %) sowie Ausbildungsplätze in diesem Bereich (+ 29 %). Auch die Berufsgruppe Therapie legte um 3,6 % zu, wobei verstärkt Physiotherapeut*innen (+11,5 %) und Ergotherapeut*innen (+7,9 %) gesucht wurden. Im Bereich Medizintechnik (+3,6 %) war die Nachfrage nach operationstechnischen Assistent*innen (+23,6 %), Augenoptiker*innen (+21,7 %) und Rettungssanitäter*innen (+19,2 %) besonders hoch.

Die Entwicklung unterstreicht den strukturellen Bedarf im Gesundheitswesen, der sich aufgrund des demographischen Wandels in den nächsten Jahren voraussichtlich noch verstärken wird. Gleichzeitig verdeutlicht die Konzentration des Wachstums auf diesen Sektor: Dem restlichen Arbeitsmarkt fehlt es an Dynamik, um die konjunkturelle Talsohle zu überwinden.

Das Hanteldiagramm mit dem Titel „Vor allem medizinische Berufe verzeichneten zuletzt Zuwächse" vergleicht den Indeed Arbeitsmarkt Index verschiedener Berufsgruppen zwischen dem 1. April und dem 30. Juni 2026. Das Stellenangebot stieg zuletzt in sechs von 38 Berufsgruppen an, davon entfielen drei auf den Gesundheitssektor.
Das Hanteldiagramm mit dem Titel „Vor allem medizinische Berufe verzeichneten zuletzt Zuwächse“ vergleicht den Indeed Arbeitsmarkt Index verschiedener Berufsgruppen zwischen dem 1. April und dem 30. Juni 2026. Das Stellenangebot stieg zuletzt in sechs von 38 Berufsgruppen an, davon entfielen drei auf den Gesundheitssektor.

Das Reallohnwachstum schmilzt im zweiten Quartal

Das reale Wachstum der auf Indeed ausgeschriebenen Löhne in Deutschland hat zuletzt an Schwung verloren. Zwischen März und Juni sank das jährliche Nominallohnwachstum in Stellenausschreibungen – erfasst durch den Indeed Gehaltstracker – von 3,4 % auf 2,8 %. Gleichzeitig stieg die Inflationsrate im April auf bis zu 2,9 %. Dadurch blieb das Reallohnplus mit 0,2 % bis 0,4 % minimal – ein deutlicher Rückgang im Vergleich zu den 1,7 % im Februar vor Kriegsbeginn. Immerhin hielt sich Deutschland so noch im positiven Bereich, während das Reallohnwachstum im Euroraum auf bis zu -0,9 % im Mai abrutschte. Im Juni betrug es zuletzt -0,3 % (Indeed Gehaltstracker von 2,5 %, Inflation von 2,8 %).

Das Liniendiagramm mit dem Titel „Das reale Wachstum der auf Indeed ausgeschriebenen Löhne ist zuletzt gesunken, bleibt in Deutschland – anders als im Euroraum – aber im positiven Bereich“zeigt die Entwicklung des monatlichen Indeed Gehaltstrackers, der das jährliche Wachstum der in Indeed Stellenausschreibungen ausgeschriebenen Löhne und Gehälter misst, sowie die Inflationsrate für Deutschland und den Euroraum. In Deutschland ging das reale Lohnwachstum zuletzt zurück, im Euroraum sank es sogar in den negativen Bereich.
Das Liniendiagramm mit dem Titel „Das reale Wachstum der auf Indeed ausgeschriebenen Löhne ist zuletzt gesunken, bleibt in Deutschland – anders als im Euroraum – aber im positiven Bereich“zeigt die Entwicklung des monatlichen Indeed Gehaltstrackers, der das jährliche Wachstum der in Indeed Stellenausschreibungen ausgeschriebenen Löhne und Gehälter misst, sowie die Inflationsrate für Deutschland und den Euroraum. In Deutschland ging das reale Lohnwachstum zuletzt zurück, im Euroraum sank es sogar in den negativen Bereich.

Auch wenn sich die Ölpreise mittlerweile auf niedrigerem Niveau bewegen als in den ersten Monaten des Konflikts, bleibt der Lohnausblick verhalten. Zum einen wirken sich die Energiepreisschocks erst mit Verzögerung auf die Preise nachgelagerter Güter, etwa in der Lebensmittelproduktion, aus. Zum anderen reagieren Löhne oft zeitverzögert auf Preissteigerungen, da Unternehmen ihre Budgets langfristig planen oder Tarifverhandlungen an starre Zeitrahmen gebunden sind. Angesichts einer für das laufende Jahr erwarteten Inflation von 2,9 % dürften Reallohngewinne in den kommenden Monaten entsprechend gering ausfallen.

Sommerjobs trotzen dem Abwärtstrend

Entgegen dem allgemeinen Rückgang des Stellenangebots zeigte sich der Markt für Sommer- und Ferienjobs zuletzt stabil. Die Zahl dieser saisonalen, befristeten Stellen nimmt im Frühjahr regelmäßig zu und erreicht im Juni ihren Höhepunkt.  In den letzten Jahren folgten Sommerjobs dem Trend des abkühlenden Arbeitsmarktes. Im Jahr 2026 setzte sich dieser Trend jedoch nicht fort: So waren im Juni etwa gleich viele Sommer- und Ferienjobs ausgeschrieben wie im Vorjahr – während das Stellenangebot insgesamt mehr als 10 % unter dem Niveau von Juni 2025 lag.

Sommerjobs ermöglichen es jungen Menschen, Schüler*innen und Studierenden, erste Arbeitserfahrungen zu sammeln. Angesichts der Debatte über schwindende Einstiegschancen, steigende Erfahrungsanforderungen und die potenzielle Rolle von KI in dieser Entwicklung ist die Resilienz des Sommerjobangebots in diesem Jahr ein positives Signal. Langfristig betrachtet liegt das Angebot an Sommerjobs jedoch weiterhin unter dem Niveau der Saisons 2023 und 2024.

Das Liniendiagramm mit dem Titel „Sommer- und Ferienjobs behaupten sich auf Vorjahresniveau" zeigt die Entwicklung der monatlichen Stellenausschreibungen für Sommer- und Ferienjobs für die Saisons 2023 bis 2026. Die Daten sind zum Januar 2026 indexiert. Das Ausschreibungsvolumen liegt im Juni 2026 etwa auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahr.
Das Liniendiagramm mit dem Titel „Sommer- und Ferienjobs behaupten sich auf Vorjahresniveau“ zeigt die Entwicklung der monatlichen Stellenausschreibungen für Sommer- und Ferienjobs für die Saisons 2023 bis 2026. Die Daten sind zum Januar 2026 indexiert. Das Ausschreibungsvolumen liegt im Juni 2026 etwa auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahr.

Ob und wie stark Berufseinsteiger*innen von in Sommerjobs gesammelten Erfahrungen profitieren, hängt davon ab, wie gut diese zu ihren Bildungs- und Karrierezielen passen. Eine Analyse der Tätigkeitsfelder zeigt: Das Angebot an Sommerjobs konzentriert sich auf manuelle sowie soziale und kundenorientierte Tätigkeiten. Mit einem Anteil von 17,7 % dominieren Jobs in Produktion & Fertigung – etwa in der Metallverarbeitung, der Automobilindustrie oder der Lebensmittelproduktion. Dahinter folgen Sommerjobs im Verkauf (15,4 %), im Bereich Kinder & Betreuung (14,1 %) – etwa in Feriencamps –, oder in Lager, Versand & Logistik (10,5 %). Bürotätigkeiten – etwa in Marketing oder Personal – machen dagegen nur 2,3 % der Sommerjobs aus. Für angehende Berufseinsteiger*innen in Wissensberufen, die besonders stark von der KI-Transformation betroffen sind, bietet der Sommerjobmarkt daher wenig Gelegenheit, fachnahe Erfahrung zu sammeln.

Das Balkendiagramm mit dem Titel „Jobs in Produktion & Fertigung dominieren den Sommerjob-Markt" zeigt die Verteilung von Stellenausschreibungen für Sommer- und Ferienjobs über verschiedene Jobkategorien in 2026 und 2025. Die Bereiche Produktion & Fertigung, Verkauf & Einzelhandel sowie Kinder & Betreuung machen knapp die Hälfte der Sommer- und Ferienjobs aus.
Das Balkendiagramm mit dem Titel „Jobs in Produktion & Fertigung dominieren den Sommerjob-Markt“ zeigt die Verteilung von Stellenausschreibungen für Sommer- und Ferienjobs über verschiedene Jobkategorien in 2026 und 2025. Die Bereiche Produktion & Fertigung, Verkauf & Einzelhandel sowie Kinder & Betreuung machen knapp die Hälfte der Sommer- und Ferienjobs aus.

Dennoch können sich Sommerjobs auch außerhalb der eigenen Fachrichtung lohnen: Sie vermitteln grundlegende Einblicke in Unternehmensprozesse und -kultur, Arbeitsweisen und Wertschöpfungsketten. Zum einen sind die dabei erworbenen betriebswirtschaftlichen Kompetenzen auf spätere Tätigkeiten übertragbar. Und sie werden von Arbeitgebern nachgefragt: Mehr als 70 % der Stellenanzeigen auf Indeed in den USA verlangen mindestens eine betriebswirtschaftliche Fähigkeit – mehr als jeder andere Kompetenzbereich. Zum anderen fördern viele Sommerjobs soziale Kompetenzen wie Teamarbeit, Kommunikationsfähigkeit und Kundenorientierung. Viele dieser dezidiert menschlichen Fähigkeiten behalten auch in einer von KI transformierten Arbeitswelt ihre Bedeutung.

Fazit

Der deutsche Arbeitsmarkt leidet weiterhin unter einem schwierigen konjunkturellen Umfeld  – der erhoffte Aufschwung wird durch die Folgen des Irankriegs weiter ausgebremst. Das unvermindert stark sinkende Stellenangebot sowie das schwindende Reallohnwachstum spiegeln diese Abkühlung wider. Angesichts des instabilen geopolitischen Umfelds und erst allmählich durchsickernder Inflationseffekte dürfte sich diese Entwicklung auch in den kommenden Monaten fortsetzen.

Die robuste Entwicklung der Sommerjobs setzt einen positiven Gegenakzent. Gerade Schüler*innen, Studierende und junge Jobsuchende sind angehalten, über den Tellerrand zu blicken und auch Möglichkeiten außerhalb ihres eigenen Fach- und Interessengebiets zu nutzen, um erste Berufserfahrungen zu sammeln. Denn im – ob durch KI oder andere Faktoren – angespannten Arbeitsmarkt für Berufseinsteigende können genau diese den Unterschied machen.

Methodik

Methodische Hinweise zu den verwendeten Indeed Daten finden sich hier: Indeed Arbeitsmarkt Index, Indeed Wage Tracker.

Wöchentlich erscheinen neue Daten des Indeed Arbeitsmarkt Index und sind in unserem Datenportal frei zugänglich. Die nahezu Echtzeitdaten des Indeed Arbeitsmarkt Index zeigen die Gesamtnachfrage nach Arbeitskräften auf Indeed sowie die Entwicklungen für einzelne Berufsgruppen.

Für die Analyse von Sommer- und Ferienjobs wurden alle Jobs erfasst, die einen oder mehrere der folgenden Begriffe im Jobtitel enthielten: ferien, ferienarbeit, ferienbeschäftigung, ferienjob, sommerarbeit, sommerferien, sommerjob, sommerpraktikum, sommersaison, summer intern, summer job.

Die Zahl der Stellenausschreibungen auf Indeed.com ist kein Indikator für potenzielle Einnahmen oder Erträge von Indeed, das einen bedeutenden Prozentsatz des HR-Technologiesegments seiner Muttergesellschaft Recruit Holdings Co., Ltd. umfasst. Dies gilt sowohl für bezahlte als auch unbezahlte Stellenausschreibungen. Die Zahl der Stellenausschreibungen wird nur zu Informationszwecken zur Verfügung gestellt und ist kein Indikator für die Leistung von Indeed oder Recruit. Weitere Informationen über die Umsatzerlöse des HR-Technologiesegments von Recruit finden Sie auf der Investor-Relations-Website von Recruit Holdings und in den Finanzberichten in Japan.