Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:
- Der Berliner Stellenmarkt wächst nach langer Talfahrt wieder. Seit Ende September stiegen die Stellenausschreibungen um 7,7 % an, während sie im restlichen Bundesgebiet um 4,3 % zurückgingen.
- Der Aufschwung wird primär von zwei Sektoren getragen. Im Gesundheitssektor legten die Ausschreibungen für Arztberufe, Pharmazie & Therapie (+22,1 %) sowie Pflege (+15,7 %) deutlich zu. Zudem verzeichneten die Tech-Berufe IT-Anwendungen, Daten & Analytics (+17,6 %) sowie Softwareentwicklung (+12 %) kräftige Zuwächse.
- Der Tech-Anteil am Berliner Stellenmix wächst bereits seit Anfang 2025 wieder. Da die Branche sensibel auf konjunkturelle Erwartungen reagiert, ist die steigende Nachfrage ein vorsichtig optimistisches Signal für den Gesamtmarkt. Infolge des Irankriegs ist die Entwicklung jedoch mit enormen Unsicherheiten behaftet – die erhoffte Arbeitsmarktbelebung könnte sich weiter verzögern.
Wie in ganz Deutschland hat die konjunkturelle Schwäche der vergangenen Jahre auch den Berliner Arbeitsmarkt belastet. Die Arbeitslosenquote stieg in Berlin von 8,5 % am Tiefpunkt im Mai 2022 auf 10,6 % im Februar 2026, damit sogar etwas stärker als in Gesamtdeutschland, wo sie im selben Zeitraum von 4,9 % auf 6,5 % kletterte.
Doch unterscheidet sich der Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Lage und Arbeitsmarktentwicklung in Berlin durch seine Branchenstruktur vom Bundesdurchschnitt. Die Niederlassungen zahlreicher Tech-Unternehmen, eine lebendige Startup-Szene, Kreativ- und Kulturwirtschaft machen den Arbeitsmarkt zwar weniger abhängig von der aktuellen Schwäche der exportorientierten Industrie, die lange das Zugpferd der deutschen Wirtschaft war. Doch zugleich erhöht der Tech- und Startup-Fokus die Zyklizität des Arbeitsmarkts: Unternehmen in diesen Branchen sind stärker von Risikokapital abhängig, reagieren entsprechend sensibel und früh auf Veränderungen der wirtschaftlichen und finanziellen Rahmenbedingungen. Phasen günstiger Finanzierung gehen oft mit raschem Beschäftigungsaufbau einher, der bei Zinswenden oder in Krisenmomenten schnell in Einstellungsstopps und Kostendisziplin umschlägt, noch bevor sich konjunkturelle Trends in der Gesamtwirtschaft durchsetzen.
Nach langer Talfahrt steigt das Stellenangebot in Berlin seit Ende September an
Dass der Berliner Arbeitsmarkt durch seine Branchenstruktur besonders zyklisch ist, zeigte sich bereits zu Beginn der Corona-Pandemie. Die Stellenausschreibungen auf Indeed – gemessen durch den Indeed Arbeitsmarkt Index – gingen in Berlin auf bis zu 26 % unter dem Referenzwert vom 1. Februar 2020 (Index = 100) zurück, während der Tiefpunkt in den restlichen Bundesländern bei -20 % lag. Die anschließende Erholungsphase verlief in Berlin ähnlich zum bundesweiten Trend: Bis Mai 2022 stieg das Stellenangebot auf mehr als 60 % über das Level von Februar 2020. Der dann einsetzende Rückgang am Jobmarkt fiel in Berlin jedoch deutlich stärker aus. Ende September 2025 erreichte das Berliner Stellenangebot mit einem Indexwert von 78 (also 22 % unter dem Referenzniveau) seinen Tiefpunkt, während der restliche Markt zu diesem Zeitpunkt noch 21 % darüber lag.
Seit dem Tiefpunkt im Herbst zeichnet sich in Berlin jedoch eine Trendwende ab, die im Gegensatz zum restlichen Bundesgebiet steht: Das Stellenangebot stieg seit September kontinuierlich um 7,7 % auf einen Indexwert von 84 Anfang März. Im Rest von Deutschland sank das Angebot nach einer kurzen Stabilisierung im Herbst um 4,3 %, sodass der Index mittlerweile bei 116 liegt.

Auch im direkten Vergleich der Bundesländer sticht Berlin hervor. Seit September konnte kein anderes Bundesland einen substanziellen Zuwachs der Stellenausschreibungen verzeichnen. Einzig Bremen liegt mit einer Veränderung von 0,1 % im positiven Bereich. Am deutlichsten gab das Stellenangebot in Thüringen (-5,7 %) sowie in den wirtschaftsstarken Ländern Bayern (-5,6 %) und Baden-Württemberg (-5,5 %) nach.

Stellenangebot in Gesundheits- sowie im Tech-Sektor legte zuletzt deutlich zu
Was treibt den Anstieg der Stellenausschreibungen in Berlin und was sind die Gründe für die unterschiedliche Entwicklung in der Hauptstadt im Vergleich zum restlichen Deutschland? Ein Blick auf die Heterogenität der Entwicklung nach Berufsgruppen verrät hierüber mehr, wobei zwei Sektoren herausstechen.
Zum einen verzeichnet der Gesundheitssektor ein signifikantes Wachstum: Seit Ende September stiegen die Ausschreibungen in den Berufsgruppen Arztberufe, Pharmazie & Therapie um 22 % an. Die Pflege verbuchte ein Plus von 15,7 %. Der Zuwachs spiegelt den Fachkräftemangel im Gesundheitswesen der Hauptstadt wider, wo die Fachkräftelücke in der Gesundheits- und Krankenpflege zuletzt den höchsten Wert unter den Fachkraftberufen erreichte. Im Vergleich zum Referenzniveau vom Februar 2020 liegen die Ausschreibungen in diesen Bereichen aktuell um 30 % bzw. 14 % höher.

Überdurchschnittlich gewachsen sind jedoch auch die Stellenausschreibungen für Tech-Berufe. Die Berufsgruppe IT-Anwendungen, Daten & Analytics verzeichnete ein Plus von 17,6 %, während die Softwareentwicklung um 12 % zulegte. Dabei ist zu beachten, dass sich diese Berufsgruppen bereits im Laufe des letzten Jahres stabilisiert hatten. Anfang März lagen sie jeweils um 3,5 % bzw. 3,2 % über dem Vorjahresniveau, während der Berliner Gesamtmarkt im Jahresvergleich noch mit 7,7 % im Minus liegt.
Der Tech-Sektor gewinnt schon seit Anfang 2025 wieder an Bedeutung im Berliner Stellenmix
Die Entwicklung im Gesundheitssektor verläuft in Berlin ähnlich zum Rest von Deutschland. Seit 2022 steigt der Anteil dieser Berufsgruppen am Stellenmix stetig an – im Bundesgebiet auf einem etwas höheren Niveau von 8,4 % auf 12,7 %, in Berlin von 6,7 % auf 11,5 %. Dies reflektiert, dass die wachsende Nachfrage nach medizinischem Fachpersonal kein für Berlin spezifisches, sondern ein gesamtdeutsches Phänomen ist. Zahlreiche Berufe der Branche zählen zu den von der Bundesagentur für Arbeit ermittelten Engpassberufen. Da sich der Fachkräftemangel durch den demografischen Wandel vermutlich verschärfen wird, adressiert die Politik diese Lücke verstärkt durch die Anwerbung ausländischer Fachkräfte.
Im Tech-Sektor zeigt sich hingegen die spezifische Branchenstruktur des Berliner Marktes. Bereits während der Pandemie 2020/21 prägte dieser Sektor maßgeblich die Dynamik des Arbeitsmarktes in der Hauptstadt: Begünstigt durch das Niedrigzinsumfeld weiteten Tech-Unternehmen und Start-ups ihre Belegschaften aus, sodass der Anteil der Tech-Jobs am Berliner Stellenmix von 15,6 % im Februar 2020 auf 18,6 % Anfang 2022 kletterte. Die anschließende Zinswende löste jedoch eine Trendumkehr aus, die den Stellenmix-Anteil bis Dezember 2024 auf 10,3 % senkte. Den Zuwachs in den Stellenausschreibungen reflektierend, steigt der Anteil der Techberufe am Stellenmix seit Anfang 2025 nun aber wieder an und lag Anfang März bei 11,8 %. Im restlichen Bundesgebiet spielen Tech-Ausschreibungen eine weniger zentrale Rolle; dort verharrte der Anteil während der Pandemie bei 10 % und fiel danach kontinuierlich auf 6 % ab. Eine mit der Hauptstadt vergleichbare Aufwärtsdynamik blieb im restlichen Deutschland in den letzten Monaten bislang aus.

Die Wachstumssignale am Berliner Arbeitsmarkt bleiben unter Vorbehalt
Nach der überdurchschnittlichen Schwächephase seit 2022 deutet die Entwicklung seit Herbst 2025 auf eine Erholung des Berliner Arbeitsmarktes hin. Getragen wird dieser Aufwärtstrend primär durch eine spürbare Nachfragebelebung im Gesundheitswesen und im Tech-Sektor.
Insbesondere die Dynamik bei den Tech-Berufen ist ein wichtiges Signal. Da die Tech- und Startup-Szene sensibel auf makroökonomische Veränderungen reagiert, deutet die steigende Nachfrage nach IT-Talenten auf eine mögliche Aufwärtskorrektur der wirtschaftlichen Erwartungen hin. Sollte sich dieser Trend verstetigen, könnte er den Auftakt zu einer breiteren Belebung des Arbeitsmarktes bilden – sowohl in anderen Branchen als auch über die Grenzen der Hauptstadt hinaus.
Es ist jedoch klar, dass die Entwicklung unter dem Eindruck der geopolitischen Ereignisse der letzten Wochen mit erheblichen Risiken behaftet bleibt. Seit dem Ausbruch des Irankriegs steht aufgrund des Anstiegs der Öl- und Gaspreise ein großes Fragezeichen hinter den Wirtschaftsprognosen für Deutschland. Hält diese Verunsicherung an, könnten Unternehmen Investitions- und Einstellungsentscheidungen erneut vertagen, was den erhofften Aufschwung am Arbeitsmarkt weiter verzögern würde.
Methodik
Für die Analyse wurden die Daten des Indeed Arbeitsmarkt Index nach Bundesland und Berufsgruppe analysiert. Neue Daten des Indeed Arbeitsmarkt Index erscheinen wöchentlich und sind in unserem Datenportal frei zugänglich.
Die Zahl der Stellenausschreibungen auf Indeed.com ist kein Indikator für potenzielle Einnahmen oder Erträge von Indeed, das einen bedeutenden Prozentsatz des HR-Technologiesegments seiner Muttergesellschaft Recruit Holdings Co., Ltd. umfasst. Dies gilt sowohl für bezahlte als auch unbezahlte Stellenausschreibungen. Die Zahl der Stellenausschreibungen wird nur zu Informationszwecken zur Verfügung gestellt und ist kein Indikator für die Leistung von Indeed oder Recruit. Weitere Informationen über die Umsatzerlöse des HR-Technologiesegments von Recruit finden Sie auf der Investor-Relations-Website von Recruit Holdings und in den Finanzberichten in Japan.