Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:
- Der Stellenmarkt startet schwach in das neue Jahr. Ende Januar sind 3 % weniger Stellen ausgeschrieben als in der ersten Dezemberhälfte. Die Entwicklung blieb damit sogar leicht hinter dem Vorjahr zurück.
- Saisonal bedingt verzeichneten vor allem Handel und Außenberufe starke Rückgänge. Ein Zuwachs der Stellenausschreibungen im Personalwesen könnte ein positiver Frühindikator für künftiges Wachstum sein.
- Das Interesse an neuen beruflichen Herausforderungen ist zu Jahresbeginn groß: Die täglichen Jobsuchen stiegen im Januar auf 38 % gegenüber dem Referenzwert vom Dezember.
- Jobsuchende lassen ihren Vorsätzen Taten folgen: Bewerbungen legten im Januar ebenfalls stark zu (+25 %), wovon alle Berufsgruppen profitierten – selbst jene mit rückläufigem Stellenangebot.
Die deutsche Wirtschaft soll nach drei Jahren der Rezession und Stagnation in 2026 wieder wachsen. Doch der Jahresstart ist von verhaltenen Signalen aus Politik und Wirtschaft geprägt: So senkte die Bundesregierung ihre Wachstumsprognose zuletzt von 1,3 % auf 1,0 %. Zwar legte das DIW-Konjunkturbarometer leicht zu, verharrt aber weiterhin unter der neutralen Marke, die ein durchschnittliches Wachstum signalisiert. Auch der ifo-Geschäftsklimaindex stagnierte im Januar auf dem Vormonatsniveau. In der lange krisengebeutelten Baubranche hellt sich der Ausblick hingegen langsam auf, was unter anderem auf die massiven Investitionen der Bundesregierung in Infrastruktur und Wohnungsbau zurückzuführen ist. Insgesamt zeigt die Entwicklung: Die wirtschaftliche Erholung hat zwar eingesetzt, ihr fehlt es bislang jedoch an Schwung.
Dies spiegelt sich auch in den Arbeitsmarktzahlen wider: Die Zahl der Arbeitslosen ist erneut auf über 3 Millionen gestiegen, was einer Arbeitslosenquote von 6,6 % entspricht – ein Anstieg um 0,4 Prozentpunkte im Vergleich zum Vormonat. Damit verläuft die Winterpause am Arbeitsmarkt ähnlich wie im Vorjahr, als die Quote im Januar ebenfalls um 0,4 Prozentpunkte auf 6,4 % kletterte.
Indeed-Daten zeigen einen schwachen Start des deutschen Stellenmarkts ins Jahr 2026: Die Stellenausschreibungen gingen über den Jahreswechsel zurück, entwickelten sich schlechter als im Vorjahr und im internationalen Vergleich am schwächsten. Trotz verbesserter Konjunkturprognosen bleibt die Verunsicherung hoch, und Unternehmen halten sich bei Neueinstellungen zurück. Dem sinkenden Stellenangebot steht ein ausgeprägtes Neujahrshoch bei Jobsuchen und Bewerbungen gegenüber. In Berufen mit strukturell wachsender Nachfrage, etwa im Gesundheits- oder Sozialwesen, kann sich dieses Verhältnis jedoch schnell wieder verschieben. Zögerliche Arbeitgeber riskieren, wertvolle Talente zu verpassen.
Stellenangebot geht über den Jahreswechsel zurück
Der Stellenmarkt startet schwach in das neue Jahr. Während die Zahl der Stellenausschreibungen auf Indeed in Deutschland im Dezember zunächst weitgehend stabil blieb, war sie ab Ende Dezember rückläufig und erreichte Mitte Januar ein saisonales Tief von 4 % unter dem Durchschnitt vom 1. bis 15. Dezember. Auch im weiteren Monatsverlauf war kaum eine Erholung zu verzeichnen: Am 31. Januar liegen die Stellenausschreibungen weiterhin 3 % unter dem Referenzwert der ersten Dezemberhälfte. Der Jahresauftakt am Stellenmarkt fiel damit sogar etwas schwächer aus als in der Saison 2024/25, als Ende Januar 2 % weniger Stellen ausgeschrieben waren als in der ersten Dezemberhälfte.

Im internationalen Vergleich fällt die Entwicklung in Deutschland am schwächsten aus und weist die geringste saisonale Dynamik auf. In verschiedenen Vergleichsmärkten ging das Stellenangebot im Dezember zunächst deutlich stärker zurück, was auf ausgeprägtere saisonale Effekte rund um das Weihnachtsgeschäft zurückgeführt werden kann: Einer erhöhten Personalnachfrage nach Saisonkräften im November (siehe die Hiring Lab Analysen für die USA und Großbritannien) folgt üblicherweise ein ruhiger Dezember und Jahreswechsel, gefolgt von einer kräftigen Wiederbelebung der Recruiting-Aktivitäten im Januar. In Großbritannien ging das Stellenangebot zunächst um bis zu –11 % im Vergleich zum Durchschnitt vom 1. bis 15. Dezember zurück, in Italien um bis zu –15 %. Anders als in Deutschland erholte sich der Stellenmarkt dort und in den anderen Ländern jedoch im neuen Jahr zügig: Ende Januar liegen fünf von sechs Vergleichsmärkten wieder auf oder über ihrem frühen Dezemberniveau. Lediglich Großbritannien verharrt noch leicht darunter (–2 %). In Irland entwickelte sich der Markt mit einem Plus von 11 % Ende Januar am stärksten.

Saisonale Berufe verlieren – Anstieg in HR als möglicher Frühindikator für den Gesamtmarkt
Die Dynamik am Stellenmarkt zum Jahresbeginn ist stark von branchenspezifischen saisonalen Faktoren geprägt. Besonders Berufe, die eng mit dem Weihnachtsgeschäft verknüpft sind, verzeichneten im Januar Rückgänge. Dies resultiert aus der hohen Personalnachfrage im November und Dezember – zum Beispiel im Verkauf, der Warenverräumung oder Paketzustellung –, die nach den Feiertagen wieder nachlässt.
Entsprechend sanken die Stellenausschreibungen im Einzelhandel (-9,9 % gegenüber der ersten Dezemberhälfte), im Transportwesen (-6,9 %) und in der Lagerhaltung (-5,6 %). Auch in den Bereichen Reinigungsdienste (-10,8 %) sowie Private & öffentliche Sicherheit (-8,8 %) war das Angebot rückläufig. Diese Berufsgruppen umfassen viele Tätigkeiten im Freien, die in den Wintermonaten witterungsbedingt weniger nachgefragt werden.


Demgegenüber stehen Branchen, die stabil oder sogar mit Zuwächsen in das neue Jahr gestartet sind. Ein deutliches Plus verzeichnete der soziale Sektor, insbesondere die Bereiche Sozialdienst und Sozialarbeit (+4,7 %) sowie die Kinderbetreuung (+4,1 %). Neben der strukturell steigenden Nachfrage nach neuem Personal in diesen Bereichen durch den Ausbau der Kinderbetreuung und die Verrentung derzeitig Beschäftigter könnten bei diesem Plus zu Jahresbeginn auch an das Kalenderjahr gekoppelte Budgetfreigaben bei öffentlichen oder wohltätigen Trägern eine Rolle spielen.
Zuwächse zeigten sich zudem im weniger saisonabhängigen White-Collar-Segment, etwa bei IT Anwendungen & Lösungen (+3,2 %) und im Management (+3,0 %). Hoffnung auf eine Erholung des Arbeitsmarktes macht die Entwicklung im Personalwesen: Dass dieser Bereich die Liste der Zuwächse mit +5,1 % anführt, kann als Frühindikator für den Gesamtmarkt gewertet werden. Wenn Unternehmen nach Personaler*innen suchen, um ihre Recruiting-Kapazitäten zu stärken, bereiten sie sich oft auf künftige Wachstumsphasen vor.
Interesse der Jobsuchenden verharrt den gesamten Januar auf hohem Niveau
Von der schwachen Entwicklung der Stellenausschreibungen unbeirrt machten sich viele Menschen zum Jahresstart auf die Suche nach einem neuen Job. Wie für die Jahreszeit üblich, sank die Zahl der täglichen Suchanfragen auf Indeed über die Weihnachtsfeiertage zunächst stark und erreichte am 26. Dezember mit -43 % gegenüber dem Durchschnitt vom 1. bis 15. Dezember ihren saisonalen Tiefpunkt. Doch mit dem Jahreswechsel setzte ein steiler Anstieg ein: Die Suchaktivität stieg im Januar auf bis zu 39 % über das durchschnittliche Niveau der ersten Dezemberhälfte. Das „Neujahrshoch“ fiel damit etwas kräftiger aus als im Vorjahr, als der Zuwachs bei bis zu 34 % lag. Die täglichen Suchen blieben zudem über den gesamten Januar hinweg robust auf hohem Niveau und lagen am 31. Januar immer noch 38 % über dem Referenzwert aus dem Dezember.

Dabei blieb es nicht nur bei Suchanfragen aus Neugier: Die Jobsuchenden ließen ihren Neujahrsvorsätzen Taten folgen, denn auch die Bewerbungsaktivität stieg im Januar deutlich an und lag am Monatsende 25 % über dem durchschnittlichen Niveau der ersten Dezemberhälfte. Da das Stellenangebot im selben Zeitraum sank, verschärfte sich der Wettbewerb unter den Bewerbenden. Die durchschnittliche Anzahl der Bewerbungen pro Stellenausschreibung stieg um 28 % an.

Dieser Zuwachs an Bewerbungen erstreckte sich über das gesamte Branchenspektrum. Ende Januar lag die Zahl der täglichen Bewerbungen in jeder einzelnen Berufsgruppe über dem Referenzwert vom Dezember, wenn auch in unterschiedlichem Maße. Dabei korrelierte das Bewerbungsverhalten verschieden mit der Entwicklung des Stellenangebots: In Bereichen wie Sozialdienst & Sozialarbeit (+44 %) sowie Kinderbetreuung (+39 %) reagierten Jobsuchende mit verstärkten Bewerbungen unmittelbar auf das gewachsene Angebot. Gleichzeitig verzeichnete der Bereich Reinigungsdienste – trotz des dort stärksten Rückgangs im Stellenangebot – jedoch auch einen Bewerberzuwachs von 36 %. Beschäftigte in dieser Branche, die vielleicht witterungsbedingt oder saisonal arbeitssuchend sind, suchten also trotz des geringeren Angebots sehr aktiv nach neuen Beschäftigungsmöglichkeiten. Der ebenfalls im Angebot schrumpfende Bereich Private & öffentliche Sicherheit befindet sich hingegen mit einem Bewerbungsplus von 15 % am unteren Ende im Berufsgruppenvergleich. Dennoch ist auch dies ein substanzieller Anstieg gegenüber der Bewerbungsaktivität in der ersten Dezemberhälfte.
Unternehmen sollten früher in Recruiting-Kapazitäten investieren, um das Bewerberhoch im Januar strategisch zu nutzen
Der deutsche Stellenmarkt ist schwach in das Jahr 2026 gestartet. Trotz verbesserter konjunktureller Perspektiven bleiben die Unternehmen bei Neueinstellungen zurückhaltend – das Stellenangebot entwickelte sich relativ zur ersten Dezemberhälfte sogar etwas schlechter als im Vorjahr. Dies zeigt einmal mehr, wie nachhaltig die wirtschaftliche Unsicherheit der vergangenen Jahre die Einstellungsbereitschaft drückt.
Gleichzeitig ist das Interesse der Arbeitnehmenden an beruflicher Veränderung im Januar auf einem Höchststand, und sie lassen ihrer Wechselbereitschaft Taten folgen. Sowohl die Such- als auch die Bewerbungsaktivität stiegen deutlich an und verharrten über den gesamten Monat hinweg auf hohem Niveau. Unternehmen mit Wachstums- oder Nachbesetzungsplänen können dies strategisch nutzen: Einer vergleichsweise geringen Zahl offener Stellen steht ein großer Pool aktiv suchender Kandidat*innen gegenüber. Besonders in Branchen mit strukturell wachsender Nachfrage, wie dem Gesundheits- oder Sozialwesen, kann sich dieses Verhältnis jedoch schnell wieder verschieben.
Ein vorsichtig positives Signal liefert der Anstieg der Stellenausschreibungen im Personalwesen. Er kann als Frühindikator dafür gewertet werden, dass sich Unternehmen auf verstärkte Recruiting-Aktivitäten vorbereiten. Gleichzeitig lässt sich der Anstieg aber auch so interpretieren, dass Recruiting-Kapazitäten zu spät oder zu langsam angepasst wurden. Während die Bewerbungsaktivität der Jobsuchenden bereits zum Jahreswechsel stark anzieht, waren HR-Stellen in den Vormonaten kontinuierlich rückläufig. Unternehmen wären gut beraten, bereits früher gegen Jahresende Recruiting-Kapazitäten aufzubauen, um im Januar auf die hohe Dynamik auf Bewerberseite vorbereitet zu sein und diese für sich zu nutzen statt wertvolle Talente zu verpassen.
Methodik
Für die Entwicklung der Stellenausschreibungen, Suchanfragen und Bewerbungen nutzen wir Indeed Daten aus den Jahren 2020 bis zum 31. Januar 2026. Wir indexieren die Entwicklung im Winter zum durchschnittlichen Wert vom 1. bis 15. Dezember eines jeden Jahres. Es wird ein gleitender 7-Tage-Durchschnitt der täglichen Daten verwendet, um regelmäßige Schwankungen im Wochenverlauf zu bereinigen.
Die Zahl der Stellenausschreibungen auf Indeed.com ist kein Indikator für potenzielle Einnahmen oder Erträge von Indeed, das einen bedeutenden Prozentsatz des HR-Technologiesegments seiner Muttergesellschaft Recruit Holdings Co., Ltd. umfasst. Dies gilt sowohl für bezahlte als auch unbezahlte Stellenausschreibungen. Die Zahl der Stellenausschreibungen wird nur zu Informationszwecken zur Verfügung gestellt und ist kein Indikator für die Leistung von Indeed oder Recruit. Weitere Informationen über die Umsatzerlöse des HR-Technologiesegments von Recruit finden Sie auf der Investor-Relations-Website von Recruit Holdings und in den Finanzberichten in Japan.