Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:
- Die Stellenausschreibungen in Europa sind seit Jahresbeginn zurückgegangen (-7,5 % im Euroraum, -11,8 % in Großbritannien)
- Einzelne Länder (+8 % in Spanien) und Branchen (wie Pflege oder Verteidigung) widersetzen sich dem Trend
- Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im Juni die Leitzinsen angehoben, um die infolge des Irankriegs gestiegene Inflation einzudämmen.
Das vollständige Europäische Arbeitsmarkt-Chartbook, Juni 2026 zeigt eine umfassende Einordnung des Arbeitsmarkts in Europa. Weitere Daten werden regelmäßig aktualisiert und können in unserem Indeed Datenportal frei abgerufen werden.
Die Arbeitsnachfrage nimmt europaweit weiter ab. Seit Jahresbeginn ist der Indeed Arbeitsmarkt Index im Euroraum um 7,5 % gefallen. Besonders deutlich war der Rückgang in Belgien (-16,2 %), Italien und Großbritannien (-11,8 %) sowie in Frankreich (-9,2 %). Ein Lichtblick ist Spanien, wo die Zahl der Stellenanzeigen seit Jahresbeginn um 8 % gestiegen ist. Die Arbeitslosigkeit bleibt mit einer nach wie vor niedrigen Quote von 6,3 % im Euroraum zwar robust. Doch der allgemeine Rückgang der Stellenanzeigen zeigt, dass die Dynamik weiter nachlässt.
Die Abkühlung trifft nicht alle Branchen gleichermaßen: Insbesondere Stellenausschreibungen im Bereich Verteidigung bewegen sich europaweit auf einem erhöhten Niveau. Die größten Anteile dieser Jobs entfallen auf Frankreich, Deutschland und Großbritannien, aber die Branche wächst auch in Italien spürbar. Ebenso entwickeln sich die Stellenausschreibungen im Gesundheitswesen weiterhin robust, vor allem in den größten europäischen Volkswirtschaften. Im Gegensatz dazu hat die Personalnachfrage in vielen Bürotätigkeiten weiter nachgelassen.

Sowohl Verbraucher*innen als auch Unternehmen in Europa bleiben besorgt über die Lage auf dem Arbeitsmarkt. Die Einstellungserwartungen lagen im Mai laut der Unternehmens- und Verbraucherumfrage der Europäischen Kommission weiterhin unter dem langfristigen Durchschnitt. Besonders zurückhaltend sind dabei Unternehmen im Dienstleistungssektor. Verbraucher*innen sorgen sich derweil mehr um eine steigende Arbeitslosigkeit als jemals zuvor im vergangenen Jahrzehnt (abgesehen von der Pandemie). Hierbei ist jedoch zu beachten: Die Umfrage wurde zwischen dem 1. und 21. Mai durchgeführt, also noch bevor die EZB die Zinsen zum ersten Mal seit fast drei Jahren anhob und bevor sich eine Verhandlungslösung im Nahostkonflikt anbahnte.
Wenn das Abkommen zwischen den USA und dem Iran Bestand haben sollte und die Energiepreise weiter zurückgehen, könnten günstigere Inflationsaussichten die EZB von kräftigen Zinserhöhungen in diesem Jahr abhalten. Eine nachhaltige Friedenslösung ist ebenfalls die Voraussetzung für eine langfristige Geschäftsplanung und damit Erholung der Personalnachfrage in vielen Unternehmen.
