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Coronavirus

Coronavirus und Arbeitsmarkt: Deutschland steht besser da als viele andere Länder


Auswirkungen sind weiterhin erheblich, allerdings deuten sich in einigen Bereichen positive Entwicklungen an.

Der Indeed-Job-Index wird regelmäßig aktualisiert, um die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf den deutschen Arbeitsmarkt topaktuell zu betrachten. Es gibt bereits aktuellere Daten: Hier geht es zu den neuen Analysen vom 30. April.

In der vergangenen Woche haben wir den neuen Indeed-Job-Index vorgestellt. Wie angekündigt, werden wir wöchentlich unsere Zahlen zum Einfluss der Coronavirus-Pandemie auf den deutschen Arbeitsmarkt aktualisieren. Heute betrachten wir Daten bis zum Karfreitag (10. April 2020), die die Entwicklungen und Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf den deutschen Arbeitsmarkt aktuell aufzeigen. 

Coronavirus-Pandemie hat weiterhin erheblichen Einfluss auf Arbeitsmarkt

Die Bemühungen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie haben weltweit ganze Wirtschaftsbereiche lahmgelegt. Mit der Zuspitzung der Pandemie seit Mitte März 2020 haben die Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt erheblich zugenommen: Der Unterschied zur Vorjahresentwicklung beträgt zum 10. April 2020 -16,6 % und damit hat sich die Entwicklung der Stellenausschreibungen im Vergleich zur Vorwoche erneut leicht verschlechtert. 

Mitte März 2020, vor der Zuspitzung der Krise, lag der Zuwachs der Stellenausschreibungen bei -2 % im Vergleich zum Vorjahr. Vorsichtig ausgedrückt lässt sich deshalb sagen, dass diese 2 %-Punkte der zu beobachtenden -16,6 % auf die allgemein schwächere Arbeitsmarktentwicklung in 2020 zurückzuführen sind. Die verbleibenden rund -14 %-Punkte wären somit Auswirkungen der Coronavirus-Krise. Letzte Woche haben wir uns auf diesen durch die Coronavirus-Krise bezogenen Effekt konzentriert. Wir werden im Folgenden einen internationalen Vergleich vornehmen und hier als Vergleichsgröße für den deutschen Arbeitsmarkt die aktuellen -16,6 % nutzen. Allerdings muss bei der Betrachtung dieser Zahl die etwas schwächere Arbeitsmarktentwicklung im Zeitraum vor der Coronavirus-Krise im Hinterkopf behalten werden. 

Letzte Woche haben wir bereits ausgewählte Berufe angeschaut und untersucht, wie sich Stellenausschreibungen seit Mitte März entwickelt haben. Die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie unterscheiden sich erheblich zwischen den Berufen: Weiterhin stark betroffen sind Hotelgewerbe und Tourismus mit einem Minus von 35 % seit Mitte März. Auch Stellenausschreibungen im Bereich Lebensmittelzubereitung und -dienstleistung, wie etwa Restaurants und Cafés, verzeichnen ein Minus von 32 %. Besonders interessant sind die Entwicklungen in Berufen des Baugewerbes (-13 %) und der Software-Entwicklung (-15 %). In beiden Bereichen scheint sich der Rückgang seit wenigen Tagen leicht abzuflachen.

Der deutsche Arbeitsmarkt ist im internationalen Vergleich weniger beeinträchtigt 

Indeed ist in vielen Ländern für Jobsuchende und Arbeitgeber verfügbar – daher ist für unsere Arbeitsmarktanalysen ein Vergleich der Auswirkungen der Covid-19-Krise auf eine Vielzahl von Arbeitsmärkten möglich. Der deutsche Arbeitsmarkt steht im internationalen Vergleich derzeit gut dar: Die Zahl der Stellenausschreibungen hat in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr bisher weniger stark abgenommen als in anderen Ländern. Zu beachten gilt allerdings bei diesem internationalen Vergleich, dass Länder zu unterschiedlichen Zeitpunkten unterschiedliche Maßnahmen ergriffen haben, die das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben beeinflussen. Italien befindet sich schon wesentlich länger im Lockdown als das Vereinigte Königreich; trotzdem sind die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, gemessen durch die Entwicklung der Stellenausschreibungen, bereits jetzt im Vereinigten Königreich höher.

Gründe für unterschiedlichen Einfluss der Coronavirus-Pandemie auf die Arbeitsmärkte

Warum fallen die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf den Arbeitsmarkt in den verschiedenen Ländern so unterschiedlich aus? Eine aktuelle Indeed-Analyse zeigt, dass Stellenausschreibungen allgemein in Ländern stärker zurückgegangen sind, in denen ein höherer Anteil der Beschäftigung in Berufen ausgeübt wurde, die direkt von den Eindämmungsmaßnahmen der Coronavirus-Pandemie betroffen sind, wie z.B. im Gastgewerbe, der Hotelbranche und dem Tourismus oder dem Einzelhandel.

Unter den betrachteten Ländern hat Deutschland den geringsten Anteil der Beschäftigung in direkt durch die Eindämmungsmaßnahmen betroffenen Berufen. Gleichzeitig sind die Stellenausschreibungen in Deutschland auch bisher am wenigsten zurückgegangen (-16,6 %). Das heißt im Umkehrschluss, die derzeit weniger von der Coronavirus-Pandemie betroffenen Branchen halten das Niveau an Stellenausschreibungen im deutschen Arbeitsmarkt weiterhin hoch.

#FlattenTheCurve für neue Stellenausschreibungen: Negativer Coronavirus-Einfluss auf den deutschen Arbeitsmarkt flacht sich ab

Wie lange wird sich der Trend der sinkenden Stellenausschreibungen noch fortsetzen? Diese Frage ist schwierig zu beantworten. Eine Analyse von neu ausgeschriebenen Stellenanzeigen kann allerdings einen Hinweis auf die weitere Entwicklung geben. Wir definieren als neue Stellenausschreibungen solche Stellenausschreibungen, die seit 7 Tagen oder kürzer auf Indeed zu finden sind. Für alle betrachteten Länder lässt sich hier ein starker Rückgang mit dem Einsetzen der Covid-19-Pandemie beobachten, der, wie bereits diskutiert, sehr unterschiedlich ausfällt.

In Deutschland ist die Zahl der neuen Stellenausschreibungen im Vergleich zum Vorjahr nicht so stark gesunken wie in anderen Ländern. Am 10. April 2020 liegt Deutschland bei -10,4 % im Vergleich zum Vorjahr. Um mehr als die Hälfte zum Vorjahr eingebrochen sind dagegen neue Stellenausschreibungen in Frankreich, Italien, Spanien, USA und auch im Vereinigten Königreich. 

Besonders interessant ist nun, dass sich in einigen Ländern ein Abflachen der Kurve zeigt, das heißt, die Zahl der neuen Stellenausschreibungen im Vergleich zum Vorjahr geht nicht weiter zurück, sondern verbleibt zunächst auf ihrem niedrigen Niveau. Der in den sozialen Medien kursierende Hashtag #FlattenTheCurve lässt sich somit auch auf die Entwicklung der Stellenausschreibungen übertragen: Deutschland gehört zu den Ländern, in denen sich der Rückgang der neuen Stellenausschreibungen abflacht. Der größte Rückgang von neuen Stellenausschreibungen in Deutschland konnte bisher am 26. März 2020 mit -25,8 % im Vergleich zum Vorjahr beobachtet werden. Der abflachende bzw. leicht positive Trend für Deutschland muss allerdings mit Vorsicht interpretiert werden. Letztes Jahr zur gleichen Zeit war die Zahl der neuen Stellenausschreibungen leicht rückläufig, sodass wir an dieser Stelle noch keine Entwarnung geben können, allerdings lassen die Zahlen hoffen, dass sich der Trend auch in den kommenden Wochen nicht wieder verschlechtert.

Für eine Entwarnung ist es noch deutlich zu früh

Insgesamt zeigt sich, dass der deutsche Arbeitsmarkt weiterhin erheblich durch die Coronavirus-Pandemie beeinflusst wird. Allerdings fallen die Auswirkungen der Pandemie auf den Arbeitsmarkt in Deutschland bisher wesentlich geringer aus als in vielen anderen Ländern. Ein möglicher Grund dafür liegt im vergleichbar niedrigen Anteil von Beschäftigten in den besonders von den Einschränkungen betroffenen Branchen wie der Hotelbranche und dem Tourismus oder der Gastronomie. Der Blick auf die Entwicklung der neuen Stellenausschreibungen macht Hoffnung, dass sich der negative Einfluss auf den deutschen Arbeitsmarkt etwas abgeschwächt hat. Unternehmen und ihre Recruiting-Abteilungen scheinen die letzten Wochen zur Sondierung genutzt zu haben und wieder vermehrt begonnen zu haben, neue Stellen auszuschreiben. Für eine Entwarnung ist es an dieser Stelle viel zu früh, allerdings macht die aktuell zu beobachtende Stabilisierung der neuen Stellenausschreibungen Hoffnung, dass wir das Tal des Rückgangs erreicht haben. Einen entscheidenden Einfluss auf die Arbeitsmarktentwicklung in den nächsten Wochen wird haben, welche mittel- und langfristigen Auswirkungen die Eindämmungsmaßnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie auf die Wirtschaft haben. Nächste Woche werden wir die Zahlen wieder aktualisieren und über die neuesten Arbeitsmarktentwicklungen berichten. 

Methodische Hinweise

Um die aktuellen Covid-19-Entwicklungen auf den Arbeitsmarkt zu untersuchen, vergleichen wir die Entwicklungen der Online-Stellenanzeigen auf Indeed diesen Jahres seit Anfang Februar mit den Entwicklungen des letzten Jahres im gleichen Zeitraum. Für jeden Tag wird ein gleitender Durchschnitt über 7 Tage berechnet. Dabei dient der 01. Februar als Basiswert (01. Februar = 100). Für neue Stellenausschreibungen nutzen wir ebenfalls diese Methode, aber die zugrunde liegende Messgröße ist die Zahl der Stellenausschreibungen, die seit 7 Tagen oder kürzer auf Indeed zu finden sind. An einigen Stellen sprechen wir von der “%-Veränderung 2020 vs. 2019”. Hierfür berechnen wir die prozentuale Veränderung der Stellenzuwachsrate seit dem 01. Februar im Vergleich zum gleichen Datum des Vorjahres. 

Wir haben den 01. Februar als Basiswert definiert, da zu dieser Zeit das Coronavirus in Deutschland mit wenigen Ausnahmen noch nicht angekommen war. Erst in der Woche vom 24. Februar wurden zwei Fälle in Heinsberg bekannt, sodass wir die Entwicklungen vor der Coronavirus-Pandemie mit den Entwicklungen während der Coronavirus-Pandemie vergleichen können. Neue Stellenausschreibungen definieren wir als solche Stellen, die seit 7 Tagen oder kürzer auf Indeed auffindbar sind.

Informationen, die auf öffentlich zugänglichen Daten der Indeed Deutschland Website (und ggf. anderen genannten Ländern) basieren, sind keine Vorhersagen zukünftiger Ereignisse und umfassen sowohl bezahlte als auch unbezahlte Stellenausschreibungen.