Arbeitsmarktanalysen

Schwächelnder Arbeitsmarkt im Juli 2019, aber noch kein Grund zur Besorgnis


Der Indeed-Arbeitsmarktkommentar: Economist Annina Hering kommentiert die aktuellen Arbeitsmarktzahlen der Bundesagentur für Arbeit.

Die schwächelnde Konjunktur zeigt sich mittlerweile auch auf dem Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote sinkt im Vergleich zum Vorjahresmonat nur noch leicht. Die Zahl der Erwerbstätigen steigt, aber auch nur noch schwach. 

Müssen wir uns nun Sorgen machen? Nein, denn die Zahl der bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten offenen Stellen lag im Juli 2019 bei 799.000 und damit auf einem weiterhin hohen Niveau, auch wenn niedriger als im Vorjahr. Ein positives Zeichen ist darüber hinaus, dass der Anstieg der Erwerbstätigkeit durch einen Zuwachs bei den sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen erreicht wurde, während der Anteil geringfügiger Beschäftigung zurück geht. 

Ein etwas genauerer Blick auf die Arbeitslosenquote verdeutlicht, dass die Entwicklungen sehr unterschiedlich für die verschiedenen Regionen und Wirtschaftszweige in Deutschland auslaufen. So sinkt die Arbeitslosenquote primär in ostdeutschen Bundesländern, während sie zum Beispiel in Bayern und Baden-Württemberg leicht angestiegen ist. Das hängt auch damit zusammen, dass die Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland höher liegt und damit noch mehr Potenzial für eine Reduzierung darstellt. Langzeitarbeitslosigkeit ist in Ostdeutschland weiterverbreitet als in Westdeutschland. Es ist aber die Langzeitarbeitslosigkeit, die in den letzten 3 Monaten dafür verantwortlich war, dass die Arbeitslosenquote überhaupt noch leicht gesunken ist. 

Der Arbeitsmarkt ist ständig in Bewegung, es gibt Zugänge und Abgänge aus Arbeitslosigkeit. Bei der Betrachtung von Arbeitsmarktentwicklungen stellt man deshalb idealerweise Zugänge in Arbeitslosigkeit den Abgängen aus Arbeitslosigkeit gegenüber. Da Daten zu den Abgängen in die einzelnen Wirtschaftszweige allerdings nur mit einer mehrmonatigen zeitlichen Verzögerung verfügbar sind, nutzen wir an dieser Stelle nur die Zugänge in Arbeitslosigkeit als Indikator dafür, in welchen Wirtschaftszweigen die konjunkturelle Abschwächung in diesem Jahr dazu beigetragen hat, dass Beschäftigte entlassen wurden beziehungsweise Verträge nicht verlängert oder nicht entfristet wurden. 

Es zeigt sich deutlich, dass Wirtschaftszweige, die stark von gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen abhängen sind, für größere Zugänge in Arbeitslosigkeit sorgen als noch im Vorjahr: 11,6 % mehr Beschäftigte aus dem verarbeitenden Gewerbe sind in diesem Jahr arbeitslos geworden. Im Gegensatz dazu ist eine sogar bessere Entwicklung in den konjunkturunabhängigen Bereichen wie der öffentlichen Verwaltung zu beobachten. Besonders gut läuft es dieses Jahr bisher bei der Finanz- und Versicherungsbranche mit -7,7% bei den Zugängen in Arbeitslosigkeit. 

Zum Abschluss noch ein Kommentar zur Kurzarbeit: Kurzarbeit hat Unternehmen in der Wirtschafts- und Finanzkrise unterstützt und Arbeitsplätze erhalten. Die Zahl der von Kurzarbeit betroffenen Personen ist im Jahresverlauf angestiegen, aber nicht besorgniserregend, da sie mit 41.000 Personen im Mai 2019 immer noch niedrig ausgefallen ist. Ich werde die Entwicklung in den nächsten Monaten dennoch im Auge behalten.


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